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Weltwille ist zugleich Selbstanschauung, und er schautsich alsWelt: als Erscheinung. Zeitlos: in jedem kleinstenZeitpunkt Anschauung der Welt: wäre die Zeit wirklich,so gäbe es keine Folge. Wäre der Raum wirklich, sokeine Folge. Unwirklichkeit des Raums und der Zeit.Kein Werden. Oder: das Werden ist Schein. Wie istaber der Schein des Werdens möglich, das heisst: wie istder Schein möglich neben dem Sein? Wenn der Willesich anschaut, muss er immer dasselbe sehen, das heisstder Schein muss ebenso sein, wie das Sein, unverändert,ewig. Von einem Ziele könnte also nicht die Rede sein,noch weniger von einem Nichterreichen des Zieles. Somitgiebt es also unendliche Willen: jeder projicirt sich injedem Momente und bleibt sich ewig gleich. Somit giebtes für jeden Willen eine verschiedene Zeit. Es giebtkeine Leere, die ganze Welt ist Erscheinung, durchund durch, Atom an Atom, ohne Zwischenraum. Vollals Erscheinung wahrnehmbar ist die Welt nur für deneinen Willen. Er ist also nicht nur leidend,sondern gebärend: er gebiert den Schein injedem kleinsten Moment: der als das Nichtrealeauch der Nicht-Eine, der Nicht-Seiende, sondernWerdende ist.
Wenn der Widerspruch das wahrhafte Sein, die Lustder Schein ist, wenn das Werden zum Schein gehört, soheisst die Welt in ihrer Tiefe verstehen den Widerspruchverstehen. Dann sind wir das Sein und müssen aus unsden Schein erzeugen. Die tragische Erkenntniss alsMutter der Kunst.
Im Menschen schaut das Ureine durch die Erschei-nung auf sich selbst zurück: die Erscheinung offenbartdas Wesen, das heisst: das Ureine schaut den Menschenund zwar den die Erscheinung schauenden Menschen, den