— 164 —
2. Der metaphysische Urprocess: Wille undSchein.
i.
Das Projiciren des Scheins ist der künst-lerische Urprocess. Alles was lebt, lebt am Scheine.Der Wille gehört zum Schein.
Sind wir zugleich das eine Urwesen? Mindestenshaben wir keinen Weg zu ihm. Aber wir müssen essein: und ganz, da es untheilbar sein muss.
Die Logik ist genau nur auf die Welt der Erschei-nung angepasst: in diesem Sinne muss sie sich mit demWesen der Kunst decken. Der Wille bereits Er-scheinungsform: darum ist die Musik doch nochKunst des Scheins.
Der Schmerz als Erscheinung — schweres Problem!Das einzige Mittel der Theodicee. Der Frevel als dasWerden.
Der Genius ist die Spitze, der Genuss des einenUrseins: der Schein zwingt zum Werden des Genius,das heisst zur Welt. Jede geborene Welt hat irgendwoihre Spitze: in jedem Moment wird eine Welt geboren,eine Welt des Scheins mit ihrem Selbstgenuss im Genius.Die Aufeinanderfolge dieser Welten heisst Causalität.
Die Empfindung ist nicht Resultat der Zelle,sondern die Zelle ist Resultat der Empfindung, das heissteine künstlerische Projection, ein Bild. Das Substantielleist die Empfindung, das Scheinbare der Leib, die Materie.Anschauung wurzelt auf Empfindung. Noth wendigesA^erhältniss zwischen Schmerz und Anschauung:das Fühlen ist nicht ohne Object möglich, das Object-seinist Anschauung-sein. Dies der Urprocess: der eine