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mimischer Differenzirung der Stimme, vorzulesen, so wer-den wir wiederum darüber perplex, dass uns die eigne Vor-tragsweise im Gegensatz zu jener Ergriffenheit gänzlichunadäquat, ja unwürdig erscheint, so dass wir uns jetztin ein allgemeines pathetisch monotones Recitiren flüchten,wodurch wir wenigstens unserer Erhebung genug gethanzu haben fühlen. Dieser pathetisch monotone Klang derStimme ist es nun, aus dem die' gesammte Redeweiseder schiller’schen Gestalten, ja eine grosse Anzahl dieserGestalten selbst geboren ist: womit uns die Bürgschaftgegeben ist, dass unsre einmal nicht zu unterdrückendeästhetische Empfindung von allen Vortragsweisen dasmonotone Pathos am höchsten schätzt und als den nor-malen Ausdruck der recitirten Poesie betrachtet. Wasist nun dieses in der Natur garnicht vorgebildete undrecht eigentlich unnatürliche Pathos? Es ist der Aus-druck eines moralischen Zustandes: der Gegensatz derästhetischen Welt zu unsrer eignen Wirklichkeit kommtuns zu allernächst und am stärksten als moralischeEmpfindung zu Gemüthe, als Empfindung der ästhetischenUnnatur unsrer Welt im Vergleich mit der Natur derkünstlerischen Welt, ja als Empfindung unseres unästhe-tischen, durchaus moralischen Wesens. Das ästhetischeGeniessen äussert sich in uns zuerst als moralische Er-hebung: womit gesagt ist, dass wir nur erst von unserermoralischen Erhebung aus die Kunst verstehen, so dassdie moralische Forderung bei uns über die Form desKunstgenusses entscheidet und zum Beispiel uns vomBesuch der shakespeare’schen Aufführungen abhält, weilwir für uns selbst jenen moralischen Urgenuss uns vielreiner und stärker erzeugen können.
Damit ist für unsere gegenwärtige Kunst der merk-würdige Satz ausgesprochen, dass das Kunstpublicum