unternahm, aber von dem Rufe unterbrochen wurde:„Wer hat ihn denn getadelt?“ Dagegen kann ich michdes Gedankens nicht entschlagen, dass auch in diesemKreise hier und dort einige jener Bedenken nachklingen,wie sie gerade häufig aus dem Munde edler und künst-lerisch befähigter Menschen zu hören sind, ja wie sie einredlicher Philolog wahrhaftig nicht etwa in den dumpfenMomenten herabgedrückter Stimmung auf das quälendstezu empfinden hat. Für den Einzelnen giebt es auch garkeine Rettung vor dem vorher geschilderten Zwiespalt:was wir aber behaupten und bannerartig hoch halten, dasist die Thatsache, dass die classische Philologie in ihremgrossen Ganzen nichts mit diesen Kämpfen und Be-trübungen ihrer einzelnen Jünger zu thun hat. Die ge-sammte wissenschaftlich-künstlerische Bewegung diesessonderbaren Centauren geht mit ungeheurer Wucht, abercyklopischer Langsamkeit darauf aus, jene Kluft zwischendem idealen Alterthum — das vielleicht nur die schönsteBlüthe germanischer Liebessehnsucht nach dem Süden ist— und dem realen zu überbrücken; und damit erstrebtdie classische Philologie nichts als die endliche Voll-endung ihres eigensten Wesens, völliges Verwachsen undEinswerden der anfänglich feindseligen und nur gewalt-sam zusammengebrachten Grundtriebe. Mag man auchvon Unerreichbarkeit des Zieles reden, ja das Ziel selbstals eine unlogische Forderung bezeichnen — das Streben,die Bewegung auf jener Linie hin ist vorhanden, undich möchte es versuchen, einmal an einem Beispiel deut-lich zu machen, wie die bedeutendsten Schritte der klassi-schen Philologie niemals vom idealen Alterthum weg,sondern zu ihm hin führen, und wie gerade dort, wo manmissbräuchlich vom Umsturz der Heiligthümer redet, nureben neuere und würdigere Altäre gebaut worden sind.
Druckschrift
9 : Abth. 2, [Nachgelassene Werke] ; Bd. 1 (1896) Schriften und Entwürfe 1869 bis 1872 : Homer und die classische Philologie; Nachträge und Vorarbeiten zur Geburt der Tragödie; Empedokles; Homer als Wettkämpfer; Über die Zukunft unserer Bildungsanstalten; Bayreuther Horizontbetrachtungen; Das Verhältnis der Schopenhauerischen Philosophie zu einer deutschen Cultur
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