Auflösung; er selbst hat das längst gesagt, man hat’sihm nicht geglaubt: hier sind nun die Beweise dafür. —Mit seinem Yerhältniss zu Wagner steht es nicht anders.Schon in den Entwürfen zur „Geburt der Tragödie“ findensich merkwürdig unbefangene Gedanken, die sich miteiner unbedingten Jüngerschaft nicht vertragen (vgl.Band IX 128 ff, 155 fr.), und die Aufzeichnungen überWagner vom Januar 1874 (Band X 397 ff.) enthalten imKeim bereits alle Grundgedanken des „Fall Wagner“;einen Grundunterschied allerdings nicht zu vergessen:c'cst le ton qui fait la mustque. Man wird es nunwohl glauben müssen, dass beide Schriften, die Betrach-tungen über „Schopenhauer“ und „Richard Wagner inBayreuth“ ein Abschied waren, letzte Zeugnisse der Dank-barkeit eines schwermüthig scheidenden Jüngers, der sichbereits gewendet hat, um seine eignen Wege zu gehn.
Man muss Nietzsche gut kennen, um solche Dingerichtig zu verstehn. Gewiss war er Anhänger Schopen-hauer’s und Wagner’s und sah in ihnen damals die mäch-tigsten Förderer der Zukunftsziele aller Cultur, aber erhat niemals als reiner Jünger eines Meisters oder Banner-träger einer Partei seine innere Unabhängigkeit dahin-gegeben: auch nicht für Wagner, der ihn als etwasGleichberechtigtes, Selbständiges anerkannte. Nietzschebesass zu allen Zeiten, allen Menschen und Sachengegenüber, das „zweite Gesicht“: der Scharf- und Tief-blick des geborenen Psychologen schaute schnell in alleUntergründe hinein. Er konnte wohl einmal freiwilligdie Augen schliessen, wenn eine tiefe Verehrung, eineinnige Freundschaft ihn ein wiegte, aber auf die Dauerwar er zu ehrlich, nicht sehen zu wollen, was er dochsah. Und über dem begeisterten Helden Verehrer derersten Schriften darf man das werdende moralistische