XXXV
Was aber aus diesen Schriften nicht unzweideutig klarzu schliessen war, ist die Thatsache, dass er zu keinerZeit im untersten Grunde unbedingter AnhängerSchopenhauer’s und Wagner’s gewesen ist. Das erweisendiese zwei Bände unwiderleglich, und es muss nun wohlan der Hand seines Versuchs einer Kritik der schopen-hauerischen Philosophie (Biographie Band I 343ff.), derNachträge zur „Geburt der Tragödie“ und der weiterenantimetaphysischen Gedanken aus den folgenden Jahrengründlich untersucht werden, inwieweit er überhaupt als„Schopenhauerianer“ zu betrachten ist, in welchen Grund-anschauungen er von Anfang an von Schopenhauer ab-weicht. Es ist kein Zweifel: bereits um 1873 war seinRadicalismus, „ohne den er nicht mehr leben konnte“,über den Schopenhauer’s hinausgegangen. Dessen radicaleGrundanschauungen, den Atheismus, den mechanistischenAntiteleologismus, den Determinismus, all die pessi-mistisch genannten theoretischen Voraussetzungen hielter fest, aber er hatte sich schon frei gemacht von dem,was er später Schopenhauer’s reactionäre Elemente nennt.Es ist ein seltsames Missverständniss, zu meinen, Nietzschesei erst 1876 in einer plötzlichen Erleuchtung oder Ver-finsterung zum antimetaphysischen, antimoralischen Radica-lismus bekehrt worden. Auch sein Deutschthum war be-reits damals so übernational, dass er schon 1873 voneiner Stelle, die von jeher eine feine Witterung für der-gleichen Ketzereien gehabt hat, in den „Grenzboten“, als„Feind des deutschen Reiches“ geschmäht und den „Inter-nationalen“ beigesellt wurde: sogar die Polizei und dieBehörden rief der „Wütherich und farceur “ dieses Artikelsschon damals gegen Nietzsche an. Als er 1874 seineBetrachtung über „Schopenhauer als Erzieher“ schrieb,stak er schon tief in der moralistischen Skepsis und
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