Einleitung zur ersten Periode.
Die in den folgenden zwei Bänden enthaltenenArbeiten aus Nietzsche’s erster Schaffenszeit von 1869bis 1876 umfassen 51 Druckbogen. Die von ihm selbstveröffentlichten Schriften dieser Periode sind nur 37Bogen stark: der grössere Theil seiner Gedanken waralso ungedruckt geblieben. Jetzt erst lässt sich der Um-fang und die Bedeutung des Schaffens seiner ersten Zeitabschätzen. Man wird umlernen müssen, vor allem überden Gang seiner inneren Entwicklung in jenen Jahren.Ich gebe einige Fingerzeige zur Einführung.
Eins ist vorauszuschicken: die sogenannte erste
Periode ist kein Anfang. Die „Geburt der Tragödie“,das Erstlingswerk, mit dem Nietzsche am Beginn seinesachtundzwanzigsten Lebensjahres hervortritt, ist das End-glied einer langen Entwicklung und eine langsam ge-reifte Frucht. Nietzsche ist eine polyphone Natur, inder verschiedenartige, scheinbar feindliche Begabungensich zusammengefunden haben: die Philosophie, die Kunstund die AVissenschaft — in jener Zeit in Gestalt derPhilologie — haben an ihm Theil. Das Merkwürdige,das eigentlich Nietzschische in dieser vielstimmigen Be-gabung ist nun, dass nicht ein ewiger Krieg der feind-lichen Schwestern entsteht, dass keine den Versuch macht,die andern zu verdrängen und allein zu herrschen. AlsNietzsche, auf die Laufbahn des Musikers verzichtend,