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sich der Philologie zuwandte und sich in die Zuchtstrengster Studien gab, hatte er es nicht nöthig, deshalbdie andern Grundneigungen seines Geistes zu unter-drücken: er trieb nach wie vor seine Lieblingskunst, dieMusik, geniessend und schaffend, selbst in ernsten contra-punktischen Studien, weiter, und in seinen LeipzigerJahren begann er zur selben Zeit, als er bewusst zumphilologischen Forscher wurde, sich in Schopenhauer zuversenken und wurde damit der Philosophie für immergewonnen. Alles das hatte Raum in ihm, gieng neben-einander her, ohne sich zu stossen, und befruchtete sichgegenseitig. Wer den ersten Band der von seiner SchwesterElisabeth geschriebenen Biographie aufmerksam gelesenhat, muss es förmlich fühlen, wie die verschiedenen Triebeseines Wesens, zu einem Strome zusammengeflossen,immer mächtiger einem Ziele entgegendrängen. Undso wachsen Wissenschaft, Kunst und Philosophie immerinniger in ihm zusammen, bis sie in der „Geburt derTragödie“ einen „Centauren“ her vor bringen, das heisst:ein Werk, das einer einzelnen einseitigen Begabungunerreichbar gewesen wäre. Diese Polyphonie verschie-dener in kühner und reicher Harmonie zusammenklingen-der Begabungen ist eine Grundthatsache nicht nur fürdie erste Zeit, sondern für Nietzsche’s ganze Entwicklung.Es ist wieder der Künstler, der Philosoph und der wissen-schaftliche Mensch, inzwischen in mehreren Verwandlungenumgeformt, die gemeinsam einen andern noch seltsamerenCentauren höchster Art, den „Zarathustra“, hervorbringen.— Eine angebliche Freundin Nietzsche’s, Frau Andreas-Salome, hat es versucht, diese Grundthatsache auf denKopf zu stellen: die polyphone in eine disharmonische,die instinctsichere Natur, die sich selbst vertrauen durfte,in eine im Innersten anarchische, den Gang einer