XXIX
Nietzsche liebt es nicht, in seinen Schriften von zeitge-nössischen Autoren auszugehn, und wenn er es thut, ver-meidet er meistens, Namen zu nennen: die Anknüpfungan Erscheinungen des Tages widerstrebt dem überzeit-lichen Charakter seiner Stilisirung. Es ist deshalb be-sonders wichtig für die Kenntniss seiner Zuneigungenund Abneigungen, dass die Stellen seiner ungedrucktenNiederschriften, an denen er sich mit Zeitgenossen be-schäftigt, in der zweiten Abtheilung gebracht werden.
Zum Schluss noch ein Wort über einige Punkte deräussern Behandlung.
Der Stil in den Stücken dieser zweiten Abtheilungist dem der ersten meist nicht gleichwerthig: es sind zumgrössten Theil erste Entwürfe eines Autors, der seineBücher vielmal umzuschreiben und bis in die letzteCorrectur hinein peinlich zu feilen pflegte. Nietzsche’svollendeter Stil lässt sich hier nicht bewundern, dafürkann man den werdenden studiren: alle Stufen von derdürren formlosen Gedankenskizze an, die mehr in Zeichenals in Worten spricht, liegen dem Auge offen. — Eignestilistische Eingriffe gestattet sich der Herausgeber nurin den dringendsten Fällen: da wo offenbare Flüchtig-
keiten, Versehen und Schreibfehler vorliegen, oder woeine allzu elliptische Fassung zu Missverständnissen ver-führt. Rein formelle Umformungen werden bisweilennöthig, wo einzelne charakteristische Stellen aus grösserenbedeutungslosen Partien herauszulösen und selbständigzu bringen sind. Hier und da müssen auch, bei stilistischungeformten Gedankenskizzen, um Wiederholungen zuvermeiden, an verschiednen Stellen aufgezeichnete Ge-danken in eine Fassung zusammengestellt werden, diedann nur Worte Nietzsche’s, aber in neuer Ordnung