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Aus solcher Noth eine Tugend zu machen, dadurchdass er alle künstlerischen Feinheiten entwickelte, derender Aphorismus in seinen verschiedenen Formen, von dergedankenschweren wortkargen Sentenz bis zum lyrischüberströmenden Stimmungserguss und dem in einigeSeiten zusammengedrängten Essai, fähig ist, — das lagganz im Geiste Nietzsche’s, der solche Lebensweisheit inbittrer Noth hatte lernen müssen, und der zu stolzwar, einem brutalen äussern Druck sich nur wider-willig passiv zu beugen: er überwand sich zum „amorfati“ und hat sich noch aus jedem Zwange, ihn über-windend, eine neue Kraft und Freiheit geschmiedet.Vielleicht wären gewisse Eigenschaften seines Stils, diemeisterliche Freiheit, die innere Beweglichkeit, die fähigist, den zartesten Regungen der Empfindung und desGedankens sich anzuschmiegen, nie zu solcher Wolken-höhe getrieben, wenn nicht die Noth ihn gezwungen hätte,sich Flügel zu schmieden: und so verdanken wir ihr viel-leicht die Unvergleichbarkeit, Einzigkeit und Vollendungseines Stils.
Dass er aber im untersten Grunde nie aufgehörthat, den Aphorismus, so sehr der Künstler ihn zu einer„Form der Ewigkeit“ umschuf, als einen Nothbehelf fürden Denker anzusehn, beweist die Thatsache, dass er,sobald im Lauf der achtziger Jahre sein Leiden sichmilderte, zur litterarischen Form seiner ersten Zeit zurück-kehrt. Er dichtet den Weltbau des „Zarathustra“, denkomische Wortklauber und Brillenträger für aphoristischhalten, weil er in Spruchform geschrieben ist; er verfasstedas „Jenseits“, dessen einzelne Abschnitte sich zusammen-hängender Gedankenentwicklung bedeutsam nähern, bis-weilen sie ganz erreichen, — gab in der „Genealogie derMoral“ das Muster einer streng entwickelnden Abhand-
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