XVIII
Die obige Darstellung des Processes, wie Nietzsche’sSchriften entstanden, scheint auf die Aphorismen-bücher der zweiten Periode nicht zu passen; und dochbleibt seine Arbeitsweise in ihren Grundzügen unverändert,so sehr auch die Form der Schriften in den mittlerenJahren von den vorhergehenden wie den folgenden ab-weicht. Die erste Stufe der Aufzeichnungen zu den Apho-rismenbüchern entspricht haargenau der beschriebnenersten Conceptionstufe der Werke, die in zusammen-hängender Gedankenentwicklung geschrieben sind: beidestellen sich dem flüchtigen Blick als ein wirrer Haufekürzerer und längerer Einzelgedanken dar. Wären dieVorarbeiten der ersten Conception zusammenhängenderSchriften mit einiger stilistischer Abrundung in derFassung gedruckt, wie sie in den Handschriften vor-liegen, so würden sie sich in der äussern Form vonBüchern wie die „Morgenröthe“ gar nicht unterscheiden.Das lehrt der Anblick einer der Schriften, die in dieserzweiten Abtheilung nach der ersten Niederschrift mit-getheilt sind. Dass Nietzsche aber in der Zeit vom„Menschlichen“ bis zur „Fröhlichen Wissenschaft“ seineGedanken in der Form drucken musste, die sie in derersten Niederschrift bei ihm stets tragen, und ähnlichbei jedem Denker tragen müssen, — das war zu-
nächst nichts als ein harter äusserer Zwang. Hierüberbelehrt jeden Belehrbaren die Entstehungsgeschichte des„Menschlichen Allzumenschlichen“. Die ganzeerste Zeit, in der er sich mit den Gedanken diesesBuches trug und sie in der Art der ersten Conceptionstufeaufzeichnete, hatte er vor, sie als Fortsetzung der Unzeit-gemässen Betrachtungen in zusammenhängender Ent-wicklung auszuführen. Im October 1876 hatten dieim Sommer und Herbst niedergeschriebnen Ideen sich