XVI
lichemUngestüm und steigert sich bisweilen zu fast visionärverzückter Inspiration. In diesem Zustande schreibt er infieberhafter Hast, ohne sich an eine bestimmte logische Ord-nung zu binden, alle Gedanken so nieder, wie sie im Drangeder erregten Productionslust in ihm auftauchen. Da er aberseine Probleme vorher durchgedacht hat, steht ihm die Con-ception des Ganzen schon vor Augen, und auch dieDisposition des Einzelnen schwebt ihm bereits in grossenZügen vor. Mitten unter den einzelnen Gedankenskizzirt er, von verschiednen Seiten her öfter ansetzend,vielfach variirend, die Dispositionschemata des Ganzenwie der Theile. Die Formulirung der Ideen selbstschwankt zwischen der skelettartigen Gedankenskizzeund der zusammenhängenden Ausführung; eine gewissemittlere, halbfertige, wenig stilisirte Darstellung über-wiegt. Wiederholungen fehlen nicht: dieselben Gedankenfinden sich an verschiedenen Stellen, in verschiedenenFormulirungstufen. In diesen ersten Aufzeichnungen,die dem flüchtigen Blick wie ein Chaos erscheinen, istim Grunde das ganze Buch schon enthalten, aber sehrweniges geht unverändert in den spätem Text über.Nun schreitet Nietzsche von der Conception zur zweitenStufe, dem eigentlichen Gestalten, indem er aus denverschiedenen Ansätzen die endgültige, streng gebaute,scharf gegliederte Disposition bildet. Um die nochungeordnete Gedankenmasse ihr einzugliedern, liest ermit dem Stift in der Hand alles bis dahin Geschriebenenochmals durch und bezeichnet durch Zahlen oderBuchstaben, in welche Theile des neu zu bauendenGanzen die einzelnen Partien aufgehn sollen. Undnun erst beginnt, nach Beendigung der eigentlichenGedanken - Arbeit, die im engeren Sinne schrift-stellerische: er schreibt, indem er die Niederschrift der