XIV
2. Die Studienbücher enthalten Bemerkungen,Reflexionen, Gedankengänge, Excerpte, die er ohneunmittelbaren Hinblick auf einen bestimmten Buch-plan aufzeichnet. In der Baseler Zeit sind Studienhefteüber allgemeinere Gegenstände nicht vorhanden. Hiefürtreten die philologischen Hefte ein: denn damals ent-keimten seine allgemeinen Ideen zum grösseren Theilseiner Beschäftigung mit dem Griechenthume. VomBeginn der achtziger Jahre an, als die Conceptionenseiner Zukunftsgedanken mächtiger in ihm wuchsen,nehmen solche Studien einen immer breiteren Raum inseinen Aufzeichnungen ein. In der Zeit hinter dem„Zarathustra“ sind die entstehenden Bücher gelegentlichegeringere Auslösungen seines Productionsdranges, währenddie eigentliche Arbeit, die unterirdische Leidenschaft undKraft dem grossen Werke der „Umwerthung“ Vor-behalten bleibt, zu der er Jahre lang Vorarbeiten häuft,bis er endlich, zu spät, an die Ausführung geht.
Nicht allzuoft knüpft er in seinen Aufzeichnungendirect an fremde Bücher und Autoren an; sehr seltenarbeitet er ein Buch mit der Feder in der Hand durchoder schreibt hinterdrein seine Gedanken darüber aus-führlich auf: wenn es hier und da geschieht, so liegt einebestimmte Absicht im Hintergründe. Deshalb verrathendiese Studienbücher über sein Verhältniss zu Vorgängernund zeitgenössischen Erscheinungen nicht sehr vielmehr, als seine Werke direct oder indirect verrathen.Aber der Schluss, dass er sie wenig studirt habe,wäre falsch. Nietzsche errichtet Schranken zwischenStudienzeiten, in denen er fremde Gedanken und Bücherauf sich wirken lässt, und den Perioden der eignenProduction; er legt Zeit und Raum zwischen sich undeinen Autor, ehe er sich über ihn ausspricht; er hasst