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dacht; dann kann die Partitur gleich vollständig, Seite für Seite,niedergeschrieben werden, — mit dem Vorbehalt, dass man neuauffallende schwierige Stellen in einer systemreichern Skizze erstauf einem besondern Blättchen aufzeichnen und verbessern dürfe*).Wie nun übrigens die Partitur selbst geschrieben werde, das kommtauf die Umstände an. Bei ganz unzweifelhaften Stellen kann vonTakt zu Takt oder gar von oben nach unten, Zeile für Zeile überdie ganze Seite hinweg geschrieben werden ; steht der Satz nochnicht vollkommen klar vor dem Auge, so notirt man zuerst Melodieund Bass und fügt dann die Milteistimmen zu ; ist wohl der Salz,nicht aber die Instrumentation durchgängig 'gefasst, so notirt manerst jenen in den für ihn nothwendigen oder sonst feststehendenStimmen (z. B. polyphone Stellen erst für den Chor oder die we-sentlich für sie bestimmten Orchesterpartien) und fügt dann dasWeitere zu. — Dass Mozart einmal im Uebermulhe (wenn eswahr ist!) das zweite Horn zuerst notirt habe, ist wenigstens nichtunmöglich; es beweiset nur, dass ihm der ganze Satz vollkommenklar und sicher im Geiste feststand.
Zur guten Stunde kommt uns bei diesem Gegenstände so ebenein höchst anziehender Aufsatz von Herrn Prof. Lobe**) zu: „Ge-spräche mit Hummel“ überschrieben, in dem unter andern gehaltvol-len Mittheilungen auch Hümmels Weise in Partitur zu setzen,und aus Hümmels Munde Nachrichten über die Gewohnheit Mo-zarts, Haydns, Beethovens, Weigls u. A. gegeben wer-den. Was uns hier zunächst angeht, ist der Punkt, in dem Hum-mel von der oben angedeuteten Weise abzuweichen scheint. Ersagt Folgendes. „Welches Instrument diesen oder jenen Theil dergrossen Melodie (damit bezeichnet er die durch eine ganze Komposi-tion gehende Hauptkanlilene) übernehmen soll, stellt sich immer zu-nächst und am Leichtesten vor. Welche Farben aber jeden zubeleben haben in Hinsicht auf Folge und Kontrast, auf Schaltenund Licht, so dass zuletzt das Ganze als ein wohlgruppirtcs Ge-mälde erscheint, das kommt nicht immer so leicht gleich mit, dasstellt sich erst nach und nach ein. Am schnellsten bildet sich mirin der Regel das Ganze aus, wenn ich erst den Bass zufüge, danndie übrigen Streichinstrumente, dann die Holzblasinstrumente undzuletzt das Blech. Doch ändere ich diese Ordnung auch nach Maass-
*) Wenigstens der Verf. muss diese Weise für fdrdersam halten, wofernman sich an sie gewöhnt hat. Sie hat ihm z. B. möglich gemacht, den erstenTheil des Mose in 21 Tagen in Partitur zu setzen, —natürlich, nachdem dasWerk lange genug im Geiste herumgetragen und in Entwürfen festgehalten warund natürlich die Zeit späterer Verbesserungen ungerechnet.
**) Allg. mus. Zeitung vom 12. Mai 1847, No. 19.