Druckschrift 
4 (1851)
Entstehung
Seite
583
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gäbe besonderer Inslrumentationszwecke, welche sich für diese oderjene Periode einfinden. Sollen z. ß. die Blechinstrumente besondershervortreten, so schreibe ich sie zuerst hin; ich habe dann anschau-licher vor mir, was ich von andern Instrumenten hinzuthun undhinweglassen muss, um die beabsichtigte Wirkung nicht etwa zudick zu übermalen.

Wer Seite für Seite in der Partitur gleich fertig instrumcntirt,hat nicht allein den Nachtheil, das Bild nur einmal zu durchden-ken, sondern auch den Blick auf jede einzelne Stelle sehr lange zufixiren, wodurch er leicht das Verhältniss derselben zu den andernund zum Ganzen aus dem Auge verliert. Woher bei so vielenKompositionen der Mangel glücklicher, einander unterstützender undhebender, so wie das Dasein harter, eckiger Kontraste kommen mag.Kurz, die Gedanken sind zu sehr nur in ihrer Gestalt für sich undzu wenig im Verhältnisse zur ganzen Folgenreihe und dem daraushervorgehenden Totale instrumentirt.

Aber noch ein weiterer bedeutender Vorlheil fliesst aus meinerMethode. Man fühlt beim fortgesetzten Hinschreiben einer Stimmeauch im Akkompagnement ihr melodisches Bedürfniss mehr, die guteStimmführung kommt leichter. Sehen Sie die Mozartschen Partitu-ren einmal in dieser Hinsicht durch, verfolgen sie die einzelnenStimmen für sich durch die ganzen Stücke und Sie werden erken-nen, wie selbständig, wie fliessend jede für sich hinwandelt.

Auch das ist kein geringer Vortheil, dass man bei dieser Schreib-weise die Partitur schnell anwachsen und in sehr kurzer Zeit schonetwas Fertiges vor sich sieht, während man, Seite vor Seite fertiginstrumenlirend, kaum vom Flecke zu kommen scheint. Es ist diesaber für das Gedeihen der Arbeit wichtiger als man glaubt. DerGeist wird gut gelaunt und verrichtet sein Ausführungswerk leich-ter und williger. Und endlich obgleich das öftere wieder vonvorn Anfängen scheinbar mehr Zeit zu erfodern scheint, so wirdman in der Tliat doch eher fertig. Mozart hätte nicht so vielschreiben können, ohne diese Methode.

Dass Mozart wenigstens bisweilen so verfahren, wird unsnoch von andrer Seite bestätigt. Ein Freund will in der Original-partitur der Zauberflöten- Ouvertüre (im Besitz des Herrn Andrein Oflenbach) an der Verschiedenheit der Tinte bemerkt haben, dasszuerst das Quartett geschrieben, dann das Uebrige zugesefzt wor-den. Demungeaelitet scheint uns das Verfahren, wenn es als Regelgellen soll, nicht unbedenklich. Es stellt das Quartett zu entschie-den als Hauptsache und die übrigen Instrumente als Zugabe dar,entspricht also alle den Sätzen nicht genau, in denen das ganzeOrchester individualisirt, der Inhalt gemischten Stimmen aus allen