Druckschrift 
4 (1851)
Entstehung
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580
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Nachtrag.

Ueber Anlage der Partitur.

Zum Schluss der Lehre kommen wir noch einmal auf einenzwar nur äusserlichen, aber höchst einflussreichen Gegenstand zu-rück: auf die Weise, grössere Werke zu vollendenund zu Papier zu bringen; und in Anwendung auf Orehester-und grössere Gesangkomposition: auf die Art, sie in Partiturzu setzen.

Schon bei w r eit einfachem Aufgaben (z. B. bei der Choralfigu-ration und Fuge,Th. II, S. 112, 134, 363, 393) wurde die Erspriess-lichkeit erkannt, zuvörderst einen Entwurf zu machen, in dem nurdas Nöthigste und Feststehende angedeutet, alles Zweifelhafte undHemmende bei Seile gelassen würde, der leicht und schnell nieder-geschrieben, verändert, ausgefüllt werden könnte und nach vorgän-giger Prüfung in mehrmaligem Ueberarheiten endlich zur Ausführungund zum vollständigen Werke gedeihe. Dass bei noch umfassen-dem und vielseitigem Werken, namentlich bei grossem Komposi-tionen für Orchester und Gesang, ein solcher Entwurf noch noth-wendiger und förderlicher sein muss, versteht sich von selber. Wirwollen nicht in Abrede stellen, dass geschärfte Vorstellungs-kraft , unterstützt von ausgebildetem Gedächtnisse, des Entwer-fens weniger dringend bedarf, vielleicht in einzelnen Fällen es ganzentbehren kann. Allein eine solche und zwar durchaus sicher-stellende Begabung und Gewöhnung ist als Ausnahme zu erachten,ja sie ist nicht einmal Bedingung oder Zeichen höherer künst-lerischer Kraft. In der Regel ist das Entwerfen erspriesslich, wonicht nothwendig. Es gestattet, dem Gedankenfluge so schnellals möglich zu folgen, bei unerkälteter Schaffensglut und in unun-terbrochner unveränderter Stimmung, also mit gegründeter Hoffnungauf innere Einheit (Th. III, S. 328) das Ganze wenigstens derHauptsache nach zu vollenden; es schützt vor den Störungendurch einzelne Zweifel, die vielleicht nur Nebenpunkte betreffen;es erspart, besonders in grossem Werken (z. B. Partituren)den lähmenden Verdruss, von Zeit zu Zeit mehrere Bogen wegzu-werfen, vielleicht um einiger verfehlten Takte willen. Daher findenwir bei Künstlern aller Richtungen das Hülfsinittel des Entwerfcnsangewendet; der Dramatiker entwirft sein Scenarium und notirtgelegentlich einzelne Wendungen, Karakterziige, ja ganze Scenen; der Maler entwirft erst in Umrissen, dann in Nacktzeichnung