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4 (1851)
Entstehung
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sie zu verwerfen seien, vielmehr sind sie oft die günstigsten undfruchtbarsten, weil sie am schärfsten zur eignen dichterischen ße-thätigung wecken. Mit den letztem haben wir hier zu ihun.

Wenn nun dem Jünger die Aufgabe wird, sich einen Text (ausder Bibel oder sonst woher) zu wählen; so ist er vorerst in einerunkünsllerischen Lage; er hat noch für keinen der vorliegendenTexte wahren Antheil, sondern schwankt zwischen mehrern unent-schieden, fremd und kalt. Je länger diese Zweifelmüthigkeit währt,desto zersetzender wird sie für die künstlerische Stimmung undSchaffenskraft; jeder Komponist wird das an sich erfahren habenund nicht blos in den sogenannten Schülerjahren. Hier wollen wirnur vor Allem unsern alten Grundsatz neu anwenden: wir wollenrasch entschieden ergreifen, was sich nur irgend der Behandlungfähig und würdig zeigt; dem Ergriffnen wollen wir alles abfrageuund ablocken, was in ihm zu finden und aus ihm herauszudichtenist. Dann werden unverhofft eine Menge Texte sich uns beseelen,die wir ohnedem kaltsinnig hätten fallen lassen, das Umhersuchenund Umherzweifeln wird zurückgedrängt und auch für günstigereAufgaben unsre Kraft, aus ihnen herauszuschauen, was sie Unaus-gesprochnes bergen, erhöht.

Ein Paar Beispiele, aus der Lehrerfahrung gegriffen und un-verändert mitgetheilt, mögen das Verfahren erläutern. Schülern,die sich in der Textwahl unentschieden zeigten, wurden auf dasGeradewohl Bibelseilcn aufgeschlagen und irgend ein nicht durchausunmöglicher Vers zur Erwägung gegeben.

Der erste solcher Texte fand sich zufällig Josua 9, 910,

9 .Sie sprachen : Deine Knechte sind aus sehr fernen Landen gekom-

men, um des Namens willen des Herrn, deines Gattes; denn wir ha-ben sein Gerücht gehöret und alles, was er in Egypten gelhan hat,10 . ,,nnd alles u. s. w.

Da der Satz als Chor komponirt werden sollte, so wurden vorAllem die Anfangsworte (Sie sprachen) weggelassen; ferner wurdeder zehnte Vers ausgeschlossen, weil sein mehr in das ßesondregehender Inhalt nicht chormässig erscheint. Ob nicht auch vomVers 9 der Nachsatz (denn wir) wegbleiben würde, oder vielleichtals bekräftigender Anhang gesetzt werden könne, blieb unentschie-den bis zur Stunde des Schaffens*).

*) Aus eigner Erfahrung bemerken wir, dass es höchst vortheilhaft ist, ehermehr als weniger Text zur Komposition bereit zu haben, wenn es nämlich mög-lich bleibt, ihn nach Erfodern zu kürzen, wie im obigen Falle. Denn das Kür-zen ist leicht geschehn ; macht sich aber während der Komposition das Bedürf-niss einer Texterweiterung fühlbar, so kann über dem Suchen und Wählen leichtdie Stimmung gestört oder wesentlich, auf Kosten der Einheit der Komposition,verändert werden.

Marx, Komp. L. IV. 2. Aull.

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