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4 (1851)
Entstehung
Seite
494
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machen, sondern muss vielmehr in ihm ihre Stütze und Vollen-dung erkennen, nachdem sie zu ihm hingeführt hat. Aber dies,ein vorbereitendes Studium (oder in Ermangelung desselben jahre-langes eignes Suchen und Nachdenken) muss begreiflicher Weisevorausgehn und das Partilurstudium fortwährend geleiten, weildie Partitur uns nur sagt, was der Meister gethan, nicht wa-rum er es gellian und was wir in ähnlichen oder andern Fällenzu thun haben.

Es kommt hierzu noch, dass die Kunst der Instrumentationselbst bei vielen unsrer Meister noch keineswegs so feslsteht, alsandre Seiten der Kunslbildung und dass sie besonders bei denältesten Meistern zum Theil von mancherlei äussern Umständen ab-hing, die sich aus der blossen Partitur nicht sofort ergeben. Hän-del entbehrte einen Theil unsrer Instrumente und rechnete dafür(S. 490) auf die Orgel, die bei uns nur in seltnen Ausnahmsfällenzur Anwendung kommt. Seb. Bach bat zahlreichere Instrument-arien angewendel als Händel. Aber einige (zum Theil von ihm sel-ber erfunden) sind ausser Gebrauch , andre (z. B. die Trompeten,s. S.497) sind so umgestaltet und in ihrer Technik verändert, dass manvon ihrer damaligen Anwendbarkeit auf die jetzige keinen Schlussmachen kann. Sodann und dies ist die Hauptsache ist beiden alten Meistern das Instrumentale noch weit entfernt von jenerSelbständigkeit und Freiheit, die es durch und seit Haydn erlangthat; es ist meist begleitend. Bach z. B. wählt seine Instrumenteoft höchst eigenthiimlieh, zu dieser oder jener Arie eine Laute odereine Laute und Gambe im Einklang, oder Bass und zwei Flötenoder zwei Oboen u. s. w. Aber diese Auswahl bleibt nun für denganzen Satz stereotyp; der Meister, von der Vorstellung seinesHauptinstruments, der Orgel, erfüllt, behandelt sein Orchester eben-falls wie eine Orgel, hat im Pedal Violon 16 und 8 Fuss, im Ma-nual Flöte oder Oboe oder Trompete gezogen, und führt nun dieseStimmen konsequent und beharrlich durch. Diese Meister und derschon weit freiere Gluck haben, wie sich von so hoch begabtenund gebildeten Künstlern von selbst versteht, auch in der Instru-mentation (Bach namentlich auch .in den Orchester-Suiten u. s. w.)Herrliches und Wirkungsreiches gegeben ; gewiss ist auch ihre In-strumentation mit dem Wesen ihrer Komposition in solchem Ein-klang, dass man nicht ohne Missverstand und Nachtheil daran än-dern , etwa neue Instrumente zusetzen könnte. Aber eben so gewissgenügt ihre Weise nicht für die ganz veränderte Richtung und Auf-gabe unsrer neuen Musik und ihrer ganz veränderten orchestralenAusrüstung.

Erst mit Joseph Haydn wird die Instrumentation ein wahr-haft freier und selbständiger Organismus. Nur dass auch bei ihm