Druckschrift 
4 (1851)
Entstehung
Seite
493
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im Stande ist, den Klang, überhaupt die Wirkungsweise der Instru-mente zu versinnlichen; jedes Wort bleibt nur eine Andeutung,jedes Gleichniss oder sonstige Redemittel bat nur theilweise Rich-tigkeit, kann nur für den berichtigend und fruchtbar werden, derschon sinnliche Erfahrung mitbringt. Auch wir haben daher allesErnstes (S. 4) stetige und aufmerksame Beobachtungen in diesemBereich anempfehleu müssen. Diese Beobachtungen werden übri-gens besonders zu Anfang sicherer und fruchtbringender beiunbedeutenden Aufführungen als bei künstlerisch bedeutenden an-geslellt; denn die letztem reissen den Hörer mit sich fort, erfüllenihn mit dem Geiste des Kunstwerks und ziehen ihn von der Beob-achtung der Einzelheiten, dieses oder jenes einzelnen Instruments,in der Höbe oder Tiefe, im Forte oder Piano u. s. w. ab. Bei Mi-litair oder Gartenmusiken, in Virtuosenkonzerten kurz überall,wo der Gegenstand der Aufführung ein weniger bedeutender ist,kann der Anfänger in der Instrumentation am ungestörtesten seineBeobachtungen anknüpfen.

Indess können diese Beobachtungen für sich allein noch nichtals Schule dienen; sie sind nur Vorbereitung und Unterstützung deseigentlichen Studiums. Dies wird jeder au sich erfahren haben odernoch erfahren, der sieb selber blos aus solchen Beobachtungen zurInstrumentation befähigen will. Schon dass mau wisse, was eigent-lich und wie beobachtet werden solle? worauf es bei der Instrumen-tation ankomme, schon das fodert Studium und Nachdenken; dannsind die Fälle so mannigfach verschieden, dass das blosse Beobach-ten wohl zum Nacbmaehen und Nachahmen, nicht aber zur freieneigenthümliehen That und Weise fördern kann, worauf doch in derKunst zuletzt alles ankommt.

Auch das ist höchst förderlich, wenn ein Komponist mehrereInstrumente spielt; an ihnen wird seine Beobachtung eine durch-dringendere und sichrere sein. Indess ist diese Uebung auf meli-rern Instrumenten nicht von jedem sonst zur Komposition Berufnenzu erlangen; dann aber kann eine unvollkommne Bildung für einInstrument und wie wenige haben Zeit und Beruf zu einer ge-nügenden für mehrere! leicht über dasselbe täuschen, indem maues für mangelhaft hält, wo nur das eigne Geschick mangelt, oderumgekehrt ihm Unstatthaftes zumuthet, in der Voraussetzung, dassein grösseres Geschick als das unsrige auch das für uns Unausführ-bare vollführen könne.

Eben so verhält es sich mit dem Parliturstudium. Wel-cher Lehrer wird seine Wichtigkeit verkennen und welcher ächteKunsljünger wird die Bekanntschaft mit den Meisterwerken entbeh-ren wollen? Keine Lehre kann und will dieses Studium überflüssig