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kannte zu widerlegen, noch in der Kunsllehre sieh Rücksicht zuerwerben.
Auch das entkräftet unsre Ansicht nicht, dass in früherer Zeitdie Orgel zu den Kirchenmusiken gespielt worden ist, dass nament-lich Händel sich derselben bei der Aufführung seiner Oratorienbedient hat und zwar nicht zu blossem Generalbassspiel, sondernzu eigenthiimlitfher — also oft obligater Begleitung und zu Solo-sätzen. Man tritt dem grossen Meister und seinen Zeitgenossennicht zu nahe, wenn man annimmt, dass der Sinn für die Klang-welt, also für den Klang und überhaupt das Wesen der Instrumentein ihrer Zeit noch nicht so hell erweckt und verfeinert gewesen,als in einer Zeit, die in Haydns, Mozarts, Beethovens Schule erzo-gen worden, in der die Instrumentalmusik erst zu ihrer Vollendunggekommen ist; denn jeder Künstler, auch der grösste, steht unterden Bedingungen der Zeit, ist mehr oder weniger ihrer Schwächenund Mängel theilhaftig*) und kann nicht das, was eine späterePeriode im Leben der Kunst an Kenntniss , Kunslmitteln und Kttnsl-bewusstsein erst entwickeln soll, schon in sich haben. Sodann aberwar namentlich in Händels Zeit das Instrumentale noch auf einerso niedern Stufe der Entwickelung (es scheint sogar in England,für das Händel seine Oratorien schuf, ärmer an Mitteln gewesen zusein, als in Deutschland) namentlich im Chor der Blasinstrumenteso weit hinter seinem jetzigen Bestand und Geschick zurück: dasses noch eines besondern Organs zur Ergänzung bedurfte; und daskonnte kein andres sein, als die Orgel, — das mechanisirteBlas- Orchester**).
Auffallender ist, dass einer der grössten Instrumentislen, Beet-hoven, die Orgel ausdrücklich lür eines seiner letzten und tiefstenWerke, für die grosse Messe in ü***), gewählt und in der Partiturneben den vollen Chor des modernen Orchesters gesetzt hat. Die
') Wer sich mit dieser Ansicht in Bezug auf Handels Orchestration zu ver-söhnen uöthig hat, der gehe nur noch ein Jahrhundert weiter zurück und sehe,wie da alle Instrumente zu blosser Massenwirkung übereinander gehäuft oderwiederum zu besonderm Ausdruck ganz vereinzelt verbraucht wurden , wie neuer-dings Meierbeer wieder hervorgesucht hat.
**) In neuerer Zeit sind, namentlich durch Mendelssohn, Händelsche Orato-rien mit dem nicht vermehrten Händelscheu Instrumentale (Mozart u. A. haben be-kanntlich Oratorien iustrumentirt) und zugefügter Orgel aufgel'ührt worden und manhat die Eigentümlichkeit und Würde dieser Darstellungsweise gerühmt. Das Er-stere — und dass man nun das Werk, wie zu Händels Zeit gehört — mag zuge-standen, auch die Würde eines Zusammenhangs von Orgel und grossen Chor- undOrchestermassen mag nicht in Abrede gestellt werden. Aber die Verschmelzungund Lebendigkeit reinen Orchesterspiels muss dabei beeinträchtigt werden.
***) Op. 1 %'i, Partitur bei Schott in Mainz.