tritt endlich der Solostimme ausser dem Orchester auch ein Chorvon Stimmen zur Seite, so entsteht die
Scene oder Arie mit Chor.
Ueber alle diese Anwendungsweisen, oder Geslaltungsweisenist keine weitere Bemerkung nöthig. Die wichtigste derselben istdie Arie mit Chor. Sie beruht darauf, dass die Rede der Haupt-person von einem Chor ihr Bei- oder Entgegentretender Zustim-mung oder Widerspruch erfährt; im letztem Falle wird der Solo-gesang vom Chor unterstützt, im letztem geräth er mit demselbenin Gegensatz und es kann in beiden Fällen, besonders im erstem,an geistiger Bereicherung und Steigerung nicht fehlen. Der Kom-ponist bat die Aufgabe, einerseits den Chor in gehaltvoller undseiner Bedeutung angemessener Weise zu beschäftigen, andrerseitsaber ihn doch auch soweit zurückzuhalten, dass die Solostimme alsherrschende und Hauptpartie sich dem Chor wie dem Orchester ge-genüber behaupten könne. Was in äusserlieher Beziehung darüberZusagen wäre, ist aus dem zu entnehmen, was über das Ver-hällniss des Orchesters zum Gesang (besonders Sologesang) und derliipienslimmen zu obligaten oder Hauptslimmen mitgelheilt worden.Das Nähere muss nach Situation und Text ermessen werden.
Vierter Abschnitt.
D ie mehrstimmigen Solosiilze.
Abgesehn vom mehrstimmigen Liede, das bereits Th. III, S. 439zur Erwägung gekommen, sind hier diejenigen Sätze zu betrachten,in denen zwei oder mehr Solostimmen selbständig, — nicht blosdie eine zur Begleitung der andern, Zusammenwirken.
Es tritt in dergleichen Sätzen der Dialog zweier oder mehrererPersonen in die musikalische Sphäre, deren jede eigenthüinli-chen Inhalt auszusprechen und sich damit als selbständige,künstlerische Person darzustellen hat, während doch alle durchgemeinsame und gleichzeitige Empfindung oder Handlung, durchgemeinsames oder widersprechendes Interesse an einem bestimmtenGegenstand unter einander in Beziehung treten. Zärtliche Ge-ständnisse oder Bitte und Gewährung zweier Liebenden gegen ein-