Druckschrift 
4 (1851)
Entstehung
Seite
471
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L. Arie in Liedform.

Zuerst also wird die Grunze des Lieds überschritten , wennnicht blos die allgemeine Stimmung dem Wortinhalt nach, sondernder persönliche Karakter einer dichterischen Person also z. B.nicht hlos die Liebe, sondern die Liebe in diesem bestimmten Lieben-den auszusprechen ist. Mag dann auch die Stimmung eine einfacheAuffassung gestatten , so wird doch in oder neben ihr noch ein An-deres, der Iiarakter der Person zum Ausdruck kommen müssen.Dies wird sich auch dann an der Komposition ausprägen, wennletztere auch im Allgemeinen der Liedform angehört. Der Th. III,S. 614 milgelheilte Gesang Iphigeniens ist nach seiner allgemei-nen Gestaltung durchaus der Liedform angehörig und von Gluck("selbst formell sogar mit Wiederholungszeichen) als zweiteiligesLied gesetzt. Allein schon der Inhalt der Worte kann nur einerbestimmten Person in bestimmter Lage eigen sein, es kommt daherauch auf den besondern Ausdruck (z. B. des jusquau tombean ,) jaauf die Zeichnung des Karakters bei dieser oder jener Wendungdes Textes (z. B. bei Oui smts le fer und et moti dernier soupir , vergl. Th. III, S. 612J an und hiermit geht die Kompositiondurch ihren Inhalt über das Lied hinaus.

Etwas deutlicher scheidet diese liedähnliche Arie sich vomeigentlichen Liede, wenn der Komponist noch besondre musikalischeMittheilungen nöthig findet, um den Karakter des Singenden be-stimmter zu zeichnen. Der Gesang des Monostalos in MozartsZauberflöteAlles fühlt der Liebe Freuden ist dem Inhalte derSingstinune nach Lied. Aber Mozart musste mehr Kaum haben undgeben für die prickelnde Aufgeregtheit des Mohren; er brauchteVorspiel, Zwischensatz, Nachsatz, wie sie dem reinen Liede nichtnöthig gewesen wären.

Auch die Fälle gehören hierher, in denen neben dem allgemeinlyrischen Inhalt und der Karakterzeichnung noch die Situation , jasogar die Lokalität Berücksichtigung fodert. C. M. Weber konnteseine Euryanlhe zunächst nicht anders und besser karakterisiren,als indem er sie als ßurgfräulein im Burggarlen von Nevers auf-fiihrte. Dies ist die Grundlage ihrer Existenz, der adelig ritterlicheKarakter ist es , der ihre Liebe , ihre Treue, ihr Wesen und Lehenbedingt. Dies mochte der Komponist mit Recht nicht der seenisehenDekoration allein überlassen; er schickt dem Gesang (Glöcklein imThal) eine ausführliche Introduktion voraus, die uns in die Lokal-stimmung bringen soll.

2. Arie in Rondo form.

In der liedförmigen Arie war zuletzt doch nur ein einzigerHaupt- oder herrschender Gedanke zu fassen, dem sich nur unter-