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4 (1851)
Entstehung
Seite
465
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WS

nach, sondern sich ganz zu vertiefen in die Situation, in Karaktcrund Stimmung der redenden (singenden) und handelnden Perso-nen*). Was er daran versäumt, wird unausbleiblich in seiner Kom-position als Slangei oder Verirrung und Unwahrheit sich strafendund schmerzlich fühlbar machen.

Aus dieser Auffassung erzeugt sich z'ulctzt der Inhalt derKomposition Zug für Zug; dies bleibt hier ausser Betracht, da dasEinzelne theils in den frühem Lehrabschnitten zur Anschauung undUebung gekommen, im Uebrigen dem Moment des Schaffens zu über-lassen ist. Zuvor aber bestimmt sieb aus dieser Auffassung dieForm wenigstens in allen Grundzügen, während das Weitereebenfalls im Schaffen sich ergiebt. Die wichtigsten Formalbestim-muugcn sind wohl in folgenden Punkten zusammen zu fassen.

1. Zahl der Gesangstimmen.

In der Regel giebt der Inhalt des Textes hierüber schon ge-nügende Auskunft ; die Aeusserungen einer einzigen Persönlichkeit,die Weehselrede zweier, dreier Individuen u. s. w. bezeichnet schondie Form des Sologesangs (des eigentlichen für eine Stimme) desDuetts, Terzetts u. s. w. Iudess wiederholt sich hier die schon imsiebenten Buch gemachte Bemerkung, dass bisweilen Grund vorhan-den ist, zwei und mehr Stimmen einzuführan, wo nach dem Text-inhalt für sich nur eine einzige crfoderlich scheint. So haben wirschon damals (Th. III, S. 439 und 447) Lieder mehrstimmig undAeusserungen, die zunächst nur einem Einzelnen angehörten (z. B.ein miserere mei , einAus der Tiefe ruf ich zu Dir) für Chorbehandelbar gefunden, wenn der Inhalt allgemein und bedeutsam ge-nug war, um die Theilnahme Mehrerer an ihm zu veranlassen. Wennalso z. B. Mozart im Requiem das Rccordure , die Worte Sedsigtiifer sanctus Michael und Andres für vier Solostimmen setzt,Seb. Bach in der hohen Messe nach dem fünfstimmigen ChorKyrie eleison das Chrisle eleison als Duett behandelt; so ist dafürzwar im Texte keine Nothwendigkeit vorhanden; jene Sätze hättenwenigstens theihveis vom Chor und insgesammt von einer oder zwei,drei Stimmen gesungen werden können. Aber jedenfalls stand denKomponisten auch ihre Entscheidung wohl zu, denn der Text wi-

) Darf der Verf. liier (wo das Lehren sieh aufliist in den Hatli, denein Künstler dem andern zu gehen vermag) auf seine Persönlichkeit zurückge-hen, aus der allein er sichres Zeugniss geben kann: so muss er bekennen, dassbesonders dramatischere Aufgaben (wie z. B. der Mose) sich ihm nie anderserschlossen und gelöst haben, als in dem Augenblicke, wo er seiner und allesFremden unbewusst nur Situation, Handlung, Personen, die der Moment insich fasste wie leiblich geschaut und vernommen. Ob das Jedem nothwendigund ob er selber das Hechte geschaut, stellt nicht zu seiner Entscheidung.

Marx, Komp. L. IV. 2. Aull. 0(1