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— vom Nichtigen zu schweigen! — hat stets den Vortheil gehabt,der Mehrzahl erlangbarer und darum zusagender zu sein.
Das Credo nun in dieser Messe wird, ein Grundzug im Karak-ter des ganzen Werks und — unsrer Zeit, nicht in jener hinge-gebnen Frömmigkeit oder Würde gesungen, die dem unerschütter-ten Glauben, dem unangefochten dastehenden Dogmen einer Kircheeigen ist, die sich als die alleinseligmachende und ewig fortbeste-hende erkennt und festhält. Es wird, wie in Zeiten des Zweifelsund der Bewegung sein muss, mit zusammengefasster Stärke, mitEifer und Slreitferligkeit behauptet, es soll bewiesen werden, be-wiesen wie eben der Künstler beweisen kann durch Anschauung.Indem der Sänger sein credo in unum deurn , patrem omnipotentembehauptet, hebt sich sein Blick über die zweifelvolle Erde empor,weiset er, uns ganz zu bewältigen, hinauf, wo den allmächtigenVater Aller die Lobgesänge der Engel in süsser, heiliger Feier um-schweben und das Credo der Erde im hohem Chor wiederhallen.Dies kann nicht in die vier Singstimmen unten gelegt, — könntenicht durch einen Doppelchor*) verkündet werden, denn da würdeauf beiden Seiten nur Menschenstimme und Menschenwort reden;Beethoven aber braucht mystische Stimmen. Die kann ihm nur dasOrchester geben. Nun gestaltet sich der Satz, wunderwürdig in jedemZuge, so. Die instrumentale Anlage, die Stimmordnung, die macht-volle Bewegung des Orchesterbasses, die Führung der Stimme selbst,
— Alles wendet dem Bass des Chors die Herrschaft im Gesang zu.Und wenn er nun unter dem Aushallen der ruhenden Oberstimmenmit Nachdruck sein Jactorem coeli anstimmt in fester, von den Or-chesterbässen gekräftigter Melodie: schallt ein ganz andrer unerhör-ter Satz in den höchsten Stimmen und Lagen des Orchesters ihmentgegen, dem sich erst weiterhin der Diskant anzuschliessen strebt**).
Zuletzt kann die Situation ihre Andeutung oder Unterstützungvom Orchester fodern, während die Singstimmen dazu gar nichtgeeignet und für andre Zwecke bestimmt sind. Ein Beispiel giebtuns Mozarts Figaro***) in der Scene, wo das Orchester den Marsch
*) Diese Afterpoesie hat C. P. E. Bach in seinem einst so gerühmten,,Heilig f ‘ geliefert. Der Engelchor hat abstrakt fremde Modulation, der Völ-kerchor ledern Fugenwerk.
**) Wer sich noch nicht hineingeleht hat in die geistige Sphäre unsrer Kunst,kann allerdings die Auffassung dieses Satzes anzw'eifeln. Nur dass es nichtsweniger als der einzige von gleicher Bedeutung in diesem Werk (und andern !)ist. Das Incarnatvs giebt einen noch tiefem Zug, der aber schwer darzule-gen ist.
, *’*) Ein noch reicheres Beispiel giebt der Don Juan, wenn im ersten Finale(S. 259 der Breitkopf-Härtelschen Partitur) drei Orchester drei verschicdneTänze gleichzeitig ausführen, während die Singstimmen dialogisiren.