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4 (1851)
Entstehung
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ser Stimmung als dem eigentlichen Inhalte der Komposition nachzu-hängen und Ausdruck zu geben. Dann aber wird wenn auchnicht immer, doch oft dem Instrumentale eine vernehmliche, bis-weilen sogar vorherrschende Bedeutung zu Theil, da der Gesangmehr oder weniger an das Wort gebunden bleiben muss.

Hiermit hängen die Momente eng zusammen, in denen die Stim-mung oder Situation eine zusammenhängende Aeusserung der Sing-stimme unzulässig macht; ein Fall, von dem wir in No. 500 einBeispiel sehn. Eine solche Singstimme hat in sich selber keinenmusikalisch festen Zusammenhalt, sie ist, technisch zu reden,keine satzförmig gebildete Melodie, kann sich nur noch dem Aus-druck der vereinzelten Worte im Sinn der herrschenden Stimmungwidmen. Hier tritt nun das Instrumentale als Organ für das Mu-sikelement und für die herrschende Stimmung hervor. Es nimmtdie vereinzelten Gesangmomente auf, trägt und verschmilzt sie undwird von der rein musikalischen Seite angesehn, zur Hauptpartie(so weit es die überlegne Natur der Menschenstimme und des Wortszulässl) gleichviel, ob es sich nur figurativ gestaltet, wie in No. 500oder eine eigne, satzartig festgebildele Melodie durchführt.

Ein Gleiches ergiebt sich in tiefem Aufgaben oder Auffassun-gen dann, w 7 enn ein Moment vom Gesang zwar mit Nachdruck auf-gefasst werden kann, sein geistiger Inhalt aber weit hinausreiehl,selbst über das volle Vermögen unsers höchsten Organs. Ein merk-würdiger Fall dieser Art findet sich inBeethovens grosser Messe,*)der tiefsinnigsten Tonschöpfung unsers Jahrhunderts, zu tief, zugedankenreich, zu schwer ausführbar, als dass selbst der schon fest-gestellte hohe Ruf des Dichters die Zeitgenossen oder auchnur die Kunstgenossen (mit einzelnen Ausnahmen) hätte um dieselbeversammeln können. Das Halbstarke und Halbwahre und Halbtiefe

Dies scheint ein heiteres Frühlingslied, nicht mehr und nicht weniger,undso zu komponiren. Allein der letzte Vers erschliesst den tiefer liegenden wah-ren Sinn.

Ich kann nicht singen und springen,

Ich liege krank im Gras;

Ich höre fernes Klingen.

Mir träumt, ich weiss nicht was.

Es ist also nicht der junge Mai, der den Sänger zu frischen süssen Weisenerregt; sein Gemüth ist erfüllt von einem Träumen, von einem Verlangen, dasihm noch in unbestimmten Zügen vorschwebt; es krankt daran. Dies istdie Stimmung, gegen die der belebende Hauch des Lenzes vergebens seine Machtversucht. Der Mai mit aller Lust ist dem kranken Hinblick verschleiert undes würde eine Unwahrheit sein, wollte der Komponist sich den Worten hinge-ben, die sein heitres Bild vergebens herbeirufen.

*) Op- 123, bei Schott io Mainz erschienen.