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4 (1851)
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gestaltende Kraft des Textes und des Sinnes, indem wir ihn unddie ihm unterliegende Stimmung und Situation auffassen.

A. Verhältniss der Gesangpartie zum Instrumentale.

Ist der geistige Inhalt der Komposition vornehmlich an das Wortgeknüpft, so herrscht der Gesang unbedingt vor. Entweder bedarfes dann gar keiner Instrumentalbegleitung (so in den reinen Vokal-chören oder in mehrstimmigen Sologesängen ohne Begleitung) oderdie Begleitung dient nur zur äusseru Stütze oder Verstärkung (S. 441)des Gesangs.

Macht sich neben dem eigentlichen Wortinhalt noch die Stim-mung oder Bewegung der Seele geltend, aus der das Wort nur alsein Theil dessen, was im Singenden lebt und treibt, hervortrat: sogewinnt das rein musikalische, in der Instrumentalpartie herrschendeElement mehr oder weniger wesentlichen Inhalt, bietet dem Gesangeine bindende, verschmelzende, bewegungsvolle Unterlage, fasstvorbereitend, wiederholend, nachahmend die Gesangsätze oderstellt ihnen andre ihm eigne entgegen und vertieft oder vervollstän-digt den Ausdruck der Stimmung der im Wort und im Gesang nichtvollständig enthalten sein konnte. Dies ist die Bedeutung der baldauf eine Stimme beschränkten (gehende Bässe, Gegenstimme) baldauf mehrere oder über alle verbreiteten Figurationen des Orchesters,von denen wir im vorigen Abschnitt einige Beispiele gesehen haben.Auch die obligaten Solostimmen gehören grösstenlheils hierher.

Ist die Stimmung des zu komponirenden Moments tief angeregt,so scheint sie dem von ihr Erfüllten sich über die ganze Umgebung,über das ganze Dasein auszubreiten; dem Glücklichen lacht die ganzeNatur, erscheint selbst das Widrige und Gefahrdrohende im ver-söhnlichen, begütigenden Lichte; dem Tiefbelrübten legt sich Trüb-niss wie ein Trauerflor selbst über die heitersten Bilder. Dies wirdfür den Komponisten der Anlass, über den Wortsinn des Texteshinaus, ja bisweilen selbst im Widerspruch gegen denselben *) die-

*) Dem Verf. liegt eben kein Beispiel näher, als das eines HeineschenGedichts, das in seinemFrühlingsspiel eine Stelle gefunden. Der Dichter singt:

Gekommen ist der Maie,

Die Blumen und Bäume bliihn,

Und durch des Himmels BläueDie rosigen Wolken ziehn!

Die Nachtigallen singenHerab aus laubiger Höh,

Die weissen Lämmer springenIm weichen grünen Klee.