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4 (1851)
Entstehung
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erst jetzt zu entwickelnden Formen, Arie, Duett, Ensembleu. s. w. auch mit blosser Klavierbegleitung oder zum Theil ohne alleBegleitung benutzt, oder die Klavierpartie zu selbständiger Mitwir-kung mit eigentümlichem Inhalt erhoben werden.

Bei dem Eintritt nun in die Gesangkomposition durften wirkurzweg das Wort als das Bestimmende bezeichnen. Aberschon in der ersten und einfachsten Form, dem Rezitativ, wurdebald klar, dass nicht der blos sprachliche Inhalt, sondern der Sinn,den das Gemiith des Tondichters im Worte lindet oder in das-selbe hineinträgt, die eigentliche und befriedigende Aufgabe für dieKomposition ist. Die blosse Uebertragung der gesprochnen Rede ineine musikalisch betonte wäre nur Deklamation und könnte kaumzu den untergeordnetsten Aufgaben des Rezitativs genügen, mit allenKünsten der Rhetorik nicht weiter; schon die höheren Aufgaben desRezitativs fodern einen tiefem und künstlerischen Inhalt und schondie erste Anregung des musikalischen Elements in der Brust desTonkünstlers führt über die Nüchternheit abstrakter Deklamationhinaus.

Es kann uns daher nicht fremd sein, wenn wir jenen erstenLehrsatz der Gesangkomposition jetzt zu vollkommnerer Gestalterheben: der Sinn, den das Wort gegeben oder in deines aufgefasst wird, bedingt'die Gestaltung der Gesangkompo-sition. Dieser Sinn ist durch das abstrakte Zeichen des Worts nurangedeutet; er ist nicht eigentlich in ihm enthalten, sondern in denVerhältnissen, die das Wort hervorgerufen haben; und diese Ver-hältnisse, das ist nicht blos der Gem ü t hszus t a nd des Redenden(oder Singenden) sondern auch die auf sein Gemülh zurückwirkende,in ihm rellektirte äussere Lage (die Situation) in der er sich be-findet. Daher eben geuügt das blosse gesangmässig ausgesprorhneWort nicht und haben wir bereits im siebenten Buche, selbst imRezitalive (z. ß. in denen Seb. Bachs) noch mehr im Chorsatze(man denke an den Unterschied der redenden und singenden Fuge,Th. III, S. 486) über dasselbe hinaasgehen müssen. Daher erken-nen wir nun in der Instrumentalbegleitung zum Gesängenicht blos eine äusserlich oder abstrakt harmonisch rathsame Slülzefür den Gesang, sondern ein Organ, durch das ein Theil vom gei-stigen, wesentlichen Inhalt des Kunstwerks offenbar wird. Auf derandern Seite begreifen wir nun erst vollständiger, dass derselbeText vom Komponisten verschieden aufgclässt werden kann ; dennnicht das abstrakte Wort, sondern der Sinn, den es im Kompo-nisten anregt, ist der eigentliche Inhalt der Komposition.

Von hier aus erweitert sich unser Gesichtskreis nach zwei Sei-ten, wir haben einerseits das Verhältuiss schärfer zu bestimmen, indas die Gesangpartie zur Instrumentalparlie tritt, andernseits die