gar nicht, theils nicht so bestimmt und schnell (Th. III, S. 368)erfassbaren Inhalt, der dem Gesänge wiederum und noch entschied-ner den Vorrang vor den mit ihm zusammentretenden Organensichert. Daher musste der Gesangtext zunächst als das Bestim-mende für alle Formen der Gesangmusik (Th. III, S. 368) aufge-fasst, konnten von hier aus die Formen des Rezitativs, des gesung-nen Lieds und des Chors (Th. III, S. 386, 421, 465) entwickeltwerden. In diesen Formen durfte die Mitwirkung des Instrumen-tale als Nebensache gellen, wesshalb wir es auch nur auf das Kla-vier beschränkten. Stets lag der Hauptinhalt im Gesänge. Im Re-zitativ hatte das Wort so entschieden den Vorrang, dass wir eszunächst als eine musikalisch bestimmte und gekräftigle Rede auf-fasseu konnten ; im Lied war die Gesammtempßndung des ganzenTextes, in den Chorkompositionen Gedanke und Gefühl des Textesder eigentliche Gegenstand der Komposition. Das Instrumentale fügtedem Gesang der einzelnen Stimme nur die unterstützende Harmoniebei, oder diente (Th. III, S. 466) zur nöthigen Ablösung und Er-leichterung desselben.
Das damals dem Klavier Zugewiesene kann nun allerdings auchmit andern Instrumenten (z. B. der Harfe, Guitarre, Orgel) odermit dem Orchester geleistet werden; wir haben schon gelegentlicherwähnt, dass die Begleitung des Rezitativs, der Choralßguration,der Singfuge u. s. w. auch vom Orchester übernommen werden.Dann gewinnt die Begleitung nicht blos an Schallkraft und Tonfülle,sondern es kommt ihr auch der ganze Organenreichthum des Or-chesters mit seiner Mannigfaltigkeit an Klängen zu statten. Hier-über ist im vorhergehenden Abschnitte und der ganzen Lehre vonder Instrumentation das Notlüge bereits gesagt. Allein auf diesemWege wird nichts wesentlich Neues erlangt. Ein Rezitativ oderLied mit Orchesterbegleitung ist nach Form und wesentlichem In-halte nicht vom Rezitativ und Lied mit Klavierbegleitung unterschie-den; der Hauptinhalt liegt durchaus im Gesang, und die Begleitungist durchaus nur um des Gesangs willen, nur als Untergeordnetesund Nebensache vorhanden.
Erst dann gelangen wir zu neuen Formen, wenn ein Inhalt,der über den der früher aufgewiesnen Formen hinausgeht, der Ge-sangpartie und zugleich dem Instrumentale neue und umfassende Auf-gaben stellt, — umfassender eben desswegen, weil die allen Formenund ihre Mittel für sie unzureichend sind. Die neuen Formen ent-wickeln sich übrigens so stetig aus den bereits aufgefassten, dassauch hier eine scharfe Scheidung so wenig wie auf andern Gränz-linien der Kunstformen (Th. II, S. 172, Th. III, S. 307) möglichist. Wir haben schon darauf hingewiesen, dass auch die frühemFormen Orchester zulassen und oft erhalten; umgekehrt können die