des Orchesters. Dies bewährt sich an der Form des Rezitativs,derjenigen Gesangform, in welcher bekanntlich (Th. III. S. 386)die Rede erst in die musikalische Sphäre Übertritt, aber noch nichtfeste Csatzhafte) Gestaltung annimmt. Fast alle Rezitalive sind nurvom Quartett begleitet, das entweder mit blossen vereinzelt zumGesang oder in dessen Pausen tretenden Akkorden (man sehe Th. III.No. 402, 409) die Harmonie zur Unterstützung der Singstimme an*giebt*), oder die Akkorde in liegenbleibenden Tönen (Th. III,No. 405) als ruhige Regleitungsmasse der Singstimme unterbreitet,oder dieselben (Th. III. Nö. 412) figurirt, oder Zwischensätze bil-det (Th. III. No. 413) oder in diesen Formen (Th. III. No. 411)wechselt. Nur in bedeutendem, vorzüglich leidenschaftlichen Mo-menten des Rezitativs oder zur Versinnlichung besondrer Vorstel-lungen — in der That also nur ausnahmsweise — treten die Blaserzum Rezitativ; so im Rezitativ der grossen Scene Leonorens iuBeethovens Fideüo, wo die Worte
Doch toben auch wie MeereswogenDir in der Seele Zorn ufid Wuth
zum Tremolo der Violinen und Bratschen und einer sich abwärtswindenden Figur der Kontrabässe, die zuletzt auch in Tremoloübergeht, rezitirt werden, bei den Worten aberSo leuchte mir ein Farbenbogen,
Der hell auf dunkeln Wolken ruht
Flöte , Oboen , Klarinette und Fagott mit ausgebaltnen Harmonien(in höherer Lage) an die Stelle des Quartetts (in tieferer Lage)treten, bis bei den Worten
Der blickt so still^ so friedlich nieder,
Der spiegelt alte Zeilen wieder
das Quartett wieder in tiefer Lage die Akkorde still ausziebt unddie Bläser dieselben in leisen Achlelschlägen höher emporklingenlassen.
Soll nun das Orchester der Singstimme gegenüber durch Bläserverstärkt werden, so kommen hier alle die Grundsätze und Bemer-kungen in Anwendung, die sich uns bei der Harmonie- und Orche-stermusik bereits ergeben haben. Es bedarf also nur noch der Er-wägung, welche Rücksichten der Gesang vom Orchester lodert.Das Wesentliche scheint sich in folgenden Punkten zusammenfassen
’J Früher — bis auf Haydn und Mozart und noch weiter, z. B. bei vielenRezitativen Rossinis — wurde nicht einmal das ganze Quartelt, sondern im so-genannten Recitativo secco (Th. III. S. -410) nur der Bass zur Angabe der Un-terstimrae der Harmonie verwendet und die übrigen Akkordtöne wurden general-bassmässig (Th. I. S. 524) auf dem Klavier oder vom Violoncell, — in derKirche nothgedrangen auf der Orgel angegehen ; das volle Quartett trat erst beidein Recitativo accompagnato (bei obligat werdender Begleitung) in Thatigkeit.