Druckschrift 
4 (1851)
Entstehung
Seite
437
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Die Blasinstrumente stehen der menschlichen Stimme un-streitig näher, sind ihr verwandter, als die Streichinstrumente. Auchsie werden vom Athem des Menschen beseelt (und erfahren dieEinwirkung der Mundtheile) und hängen von der Alhemkraft ab,so dass der Bläser halb und halb Sänger sein muss. Nur trifft derlebendige Athem nicht ein mitlebendes Organ wie im Gesänge, son-dern ein todtes Werkzeug. Schon von hier aus erhellt die Ab-weichung und Untergeordnetheit des Blasinstruments. Die Streich-instrumente erfahren vom Spieler nur mechanische Behandlung,nicht Einwirkung eines dem Ton- und Gefühlsleben unmittelbar zu-geeignelen Organs; hiermit ist ihre entferntere Stellung vom Gesangbezeichnet, mit dem sie übrigens die Fähigkeit, den Ton auszuhal-ten, an- und abschwellen zu lassen, bis auf einen gewissen Gradgemeinsam haben. Die nicht mit dem Bogen behandelten Saiten-instrumente, also das Pizzikato des QuarteLls, die harfen-artigen Instrumente, das Piano, entbehren auch diese Eigen-schaft, stehen also dem Gesang am fernsten.

Diese Betrachtung führt uns auf einen Hauptgrundsatz bei derAnordnung des Orchesters zur Gesangbegleitung:

die günstigste Unterstützung für den Gesanggewähren die Saiteninstrumente und die un-günstigste die Blasinstrumente;denn jene heben ihn durch den entschiedensten Gegensatz und ent-behren entscheidende Eigenschaften, die die Bläser mit der Sing-stimme gemeinsam haben.

Daher finden wir auch im Verhältnis zu den Singstimmen dasStreichquartett als Hauptchor des Orchesters bethätigt; besondersist es neben seiner grossem Unähnlichkeit mit der Singslimme seineSchmiegsamkeit und Feinheit, seine Fähigkeit auf die verschieden-sten Karaktere einzugehen und sich unterzuordnen (S. 245), dieihm auch hier den Vorzug gewähren. Nur äusserst selten wirdman veranlasst sein, den Gesang durch Harmoniemusik (ohne Ouar-tett) begleiten zu lassen*), während in sehr vielen Tonstücken undin grossen Partien fast aller Tonstücke das Quartett allein die Be-gleitung des Gesangs übernimmt und fast überall die Hauptmasseder Begleitung darstellt.

Besonders da, wo der Gesang oder gar das Wort im Gesängemit vorzüglicher Wichtigkeit vortreten, das Orchester nur den Ge-sang leiten, harmonisch unterstützen, als Tonmasse tragen soll, istdas Quartett die Hauptmasse oder auch der einzige wirkende Theil

*) Von (Jen Fällen , wo ausserliche Rücksichten z. B. das INichtvorhan-denseiu des Quartetts den Komponisten bestimmen, kann natürlich nicht dieRede sein.