Druckschrift 
4 (1851)
Entstehung
Seite
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Vermögen der Streichinstrumente (S. 244) in einzelnen Momentenvollgriffiger oder auch wirklich mehrslimmiger zu werden. Es um-fasst ein weites Tongebiet von wenigstens fünf Oktaven und räumtdem vornehmsten Streichinstrument, der Violine, den Vorzug ein,indem es zwei Violinen aufstellt. Das Quintett isL um eine Stimmereicher, lässt aber den Karakter der Bratsche oder des Violoncellsin einer Fülle hervortreten, die im Allgemeinen nicht begründet er-scheint. Das Otlett stellt das Verhällniss der Instrumente in glei-cher Weise wieder her, wie das Quarten. Allein es sollte schei-nen, als wenn der Verein von vier Violinen, zwei Bratschen undzwei Violoncellen das Verlangen nach einem kräftigen Träger desGanzen, nach einem Kontrabass erregen müsste, der den Gegen-halt in der Tiefe bildete gegen die stark besetzte Höhe und Mitte.Allerdings würde dann in dem zum Nonett gewordnen Werkeder Karakter des Solosatzes noch mehr zurücktreten und das Ganzesich noch mehr der Behandlung und Wirkung des Orchesters nä-hern. Allein dies ist ohnehin schon hei dem Otlett wenigstens theil-weis der Fall (wie man an dem Oltelt von Mendelssohn, dergeschicktesten und talentvollsten Leistung in dieser Form, sehenkann) und cs ist kein absoluler Nachlheil darin zu sehn, wenn auchhier wie überall die Formen einander näher kommen und ineinander übergehn.

Auf der andern Seile haben wir sogar bei dem Streichorche-ster (S. 349) erkennen müssen, dass ihm für sich allein die Fülleuud Sättigung des Klanges abgeht, die zur Befriedigung des Sinnsund zum allseitigen und tieferschöpfenden Ausdruck der Seelenbe-wegungen und Vorstellungen erfoderlieh ist. Dies muss noch viel-mehr vom Solosatz für Streichinstrumente gellen. Ihm fehlt nichtnur die Klangfülle und die Kraft des Aushallens , sondern auch dieSchallkraft der Blasinstrumente. Ueberhaupt ist ein grosses Maassvon materieller Kraft ihm nicht eigen; selbst das Piano kann inseiner Spielfülle und der Fähigkeit Tonmassen verschiedner Ok-taven in einander schallen zu lassen, grössere Massenwirkungund grössere Steigerung hervorbringen. Dies ist im Allgemeinender Anlass, über das Quartett hinaus zum Quintett und Oltettzu gehen; das Trio von Streichinstrumenten kann dagegen nurdurch feinere und bewegtere Stimmführung für den Mangel an Fülleentschädigen, der ihm selbst im Vergleich zum Quartett eigen ist.

Diese Ansicht von den verschiednen Besetzungen der Solokom-position für Streichinstrumente scheint sich auch bei der Mehr-zahl der Komponisten oder bei allen gellend gemacht zu haben.Denn die bei weitem überwiegende Menge aller hierhergehörigenWerke sind Quartette; nach dem Quartett ist das Quintett am mei-