Druckschrift 
4 (1851)
Entstehung
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Wägen wir die Fülligkeiten der Instrumente gegen einanderab, so ist das Klavier nicht nur für die Darstellung der Melodie(Th. III, S. 18) bei weitem ungünstiger organisirt, als die Streich-instrumente und alle (oder doch die meisten) Bläser, sondern auch Ton gegen Ton gehalten an Schallkraft den meisten die-ser Instrumente (oder vielmehr allen, wenn man die Kraft den Tonfestznhalten mit in Anschlag bringt) nicht gleichkommend und muss,um diese Mängel möglichst zu ersetzen , zu einer sonst gar nichtim Wesen der Komposition liegenden Spielfülle und Vollgrif-figkeit seine Zuflucht nehmen. Hierdurch aber im Verein mitseinen ursprünglichen Eigenschaften wird, es zu einem wesentlichvon den Streich- und Blasinstrumenten verschiednen Organ, ver-schiedner von ihnen, als sie cs unter einander sind. Es zeigt sichals ein Organ, das sich zwar mit jenen Instrumenten verbinden,aber nicht verschmelzen lässt; seine Töne können zwar mitdenen der andern Zusammentreffen, aber nicht mit ihnen aushalten,ab- und anschwellen, in einander übergezogen werden.

Wenn wir demungeaehtet alle Meister von Bach bis Beet-hoven und bis auf diesen Tag mit Neigung und bisweilen mit tief-ster Hingebung diesen Verbindungen sich widmen sehen: so ge-schieht es, weil allerdings der Verein des Klaviers mit einem odermehr andern Instrumenten einen grossen Keichthum an Tonmittelndarbietet. Neben das Klavier, das zwei oder mehr Stimmen führenund durch Ve ng und Figurirung kräftigen, das volltönendund in den mannigfachsten Formen begleiten und figuriren kann,tritt nun noch ein oder treten mehrere Instrumente von überlegnemmelodischen Vermögen. Diese Masse von Stimmen voller Fähig-keit zu den mannigfaltigsten und freiesten melodischen und polypho-nen Bewegungen und Verknüpfungen lockt den Webegeist desKünstlers und lässt ihn und auch den Hörer die innerliche Verschie-denheit und Unverschmolzenheit der Organe mehr oder weniger ver-gessen, reizt auch die Erfindungskraft, die trennenden Unterschiedezu überwinden oder zu verbergen.

Dies scheint uns, wenn wir voruriheilsfrei ungeschreckt durchdie Namen der grossen Meister und unverführl durch die Liebe,die uns so manches unsterbliche Werk auch auf diesem Felde abge-wonnen hinblicken, die Lage der Sache. Die Verknüpfung vonPiano und Blas - oder Streichinstrumenten kann, sie als einen ein-zigen Körper genommen , nicht als ein wahrhaft in sich einiges, imGleiehmaass und in Gleichheit aller seiner Stimmen vollkommenbefriedigendes Organ gelten. Aber es ist ein, wenn nach diesenSeiten unvollkommnes, doch nach dem Ton- und Stimmgehalt rei-ches Organ. Es kommt nur darauf an, es möglichst günstig zusam-menzufügen und zu verwenden.