Druckschrift 
4 (1851)
Entstehung
Seite
356
Einzelbild herunterladen
 

SS6

uichl wesentlicher Uinsland bestimmt, sondern nur die Idee desWerkes und jene keusche Zurückhaltung von allem nicht für denAusdruck der Idee nöthigen Material, dem nicht verstattet sein soll,das Geistige üppig zu überwuchern. So enthält sich auch Mozartin der Ouvertüre zum Don Juan der Posaunen (die er überhauptnur in einer Ouvertüre, der zur Zauberflöte; anwendet) obgleich ersie in der Oper seihst braucht.

Den Nachweis des Iiarakteristischen in der Wahl der Instru-mente können wir kürzer fassen. Sobald nur erst erkannt ist, dasses nicht der Aufhäufung von Instrumentmassen bedarf, dass sie viel-mehr ihr Bedenkliches hat, wofern sie nicht der Idee des Kunst-werkes entsprechend und nolhwendig ist: wird man von seihst ge-neigt sein, bei der rathsamen Beschränkung die der Idee des Werksentsprechendsten Instrumente den andern vorzuziehn. Hier könn-ten nun die auffallendsten Züge aus unsern Meisterwerken gegebenwerden; wir beschränken uns nur auf einen einzigen Fall, aufMozarts Requiem. Mozart enthält sich das ganze Werk hindurchder Flöten, Oboen, Klarinetten und Hörner. Zwei ßassethörnerund zwei Fagotte bilden den Chor der Rohrinslrumenle; ihre tie-fere Tonlage, ihr verschleierter lugubrer Klang geben die trübe Lo-kalfarbe für den Trauergesang, der weder durch üppige Klarinet-ten, noch milde Flöten erhellt oder durch die positivere Oboe zufesterer Haltung im Klange gehoben werden sollte. Wo es derkirchlichen Feier oder schärferer Eingriffe des Pathos bedarf, dadienen Trompeten und Pauken und Posaunen , ungemildert und un-vermittelt durch Hörner; der romantische Waldklang, die weltlicheSchwärmerei des Horns durfte hier nicht vernommen werden.

Dritter Abschnitt.

Die einfachsten Stellungen der verschiednen Chöre zueinander.

Wir haben bereits das Streichquartett als wichtigsten Chor desOrchesters anerkannt, da dasselbe die ausgedehnteste Befähigungzu allen Arten von Tonverbindungen und Bewegungen besitzt, sichmehr wie die andern Orchesterchöre den mannigfachsten Stimmun-gen und Vorstellungen des Komponisten anzuschmiegen und als Or-gan herzugeben vermag und, eben weil es keinen so gesättigtenund sättigenden Klang hat wie die Bläser, länger die Theilnahmedes Schallenden und Hörenden fesselt. Daher sprechen wir es alsersten Grundsatz für die Behandlung des Orchesters aus,

das Streichquartett als Kern des Orchestersanzusehn, mithin von ihm aus den Satz aufzuerbaucn, das Quar-