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Klange die Scliallkraft scharfer und harter Instrumente nicht immererhöhen, sondern vielmehr umhüllend zu schwächen dröhn, wenndem nicht etwa durch besonders geschickte Stellung vorgebeugtwird, was nicht immer angeht. Flöten, wenn sie nicht in der höch-sten Tonlage gehalten werden, nehmen den Oboen leicht ihre ein-dringliche Schärfe, Hörner Ihun dasselbe den Trompeten, Hörnerund Fagotte den Posaunen. Wollte man zu Flöten, Klarinetten,Fagotten und Hörnern ein zweites Horupaar und Bassethörner setzenmit oder ohne Oboen; so würde durch die Masse sanftquellendengerundeten luftvollen Klanges die Schmetterkraft der Trompetenund Posaunen gehemmt oder gar gebrochen; es könnte so ein sehrvollströmender, ja erhabner Vollklang gewonnen werden, nicht aberdurchdringende erschütternde Kraft.
Und endlich würde der entgegengesetzte Uebelstand von demeintreten, den wir zuerst gewahr wurden. Zuerst erkannten wirdie Mangelhaftigkeit in der Wirkung von Streichinstrumenten ohneBläser; jetzt würde die überhäufte Masse der Bläser dem Streich-quartett alle Energie und Schärfe abstumpfen. Und wenn man die-sem Nachtheil durch verdoppelte Besetzung des Quartetts entginge,— was doch nur an den wenigsten Orten die Mittel erlauben, —so würde in der gehäufteu Masse der Bläser und Streicher jede In-dividualität ihren Karakter einbüssen, ein Klang würde den andernverschlingen, die Schallmasse — das Materielle auf Kosten des Gei-stigen überwältigend werden.
Diese Ueberlegung führt uns auf einen Grundsatz, der von denMeistern stets feslgehalten worden, er heisst
5. Mässigung und Zurückhaltung
in der Zusammenstellung des Orchesters und hängt eng zusammenmit dem höchsten Grundsatz, den wir für die Bildung des Orche-sters überhaupt auszusprechen haben:
6. karakteristische Wahl der Instrumente.
Beide Grundsätze treten uns überall entgegen, wo es dem Künstlerum das wahrhaft Künstlerische, — um Offenbarung eines geistigenInhalts, eines tiefergriffnen Seelenzustandes, einer Idee — zu thuuwar, während alle zuvor erwähnten Rücksichten so gewiss sie ihreBerechtigung haben, doch zunächst nur dem Sinnlichen, — demsinnlichen Wohlklang, der materiellen Gewalt — oder dem abstraktVerständigen angehörten.
Den wahren Meister in der Instrümentation erkennt man vorAllem in der Zurückhaltung, die ihn von allem Material, das nichtstreng nothwendig ist für seine Idee, absehen lässt. J. Haydnnimmt zu seiner sprühend lebendigen ß-dur-Symphonie, zur derarti-