Druckschrift 
4 (1851)
Entstehung
Seite
248
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sehnellung der Saiten mit dem Finger statt mit dem Bogen*). Hierhört das Instrument auf Streichinstrument zu sein, es wird harfen-artig. Die Töne sprechen kurz und mit sehr geringem Nachhallan, sind aber besonders bei den kleinern Arten der Streichinstru-mente weniger voll- und aushallend, kürzer, härter, gleichsamklopfender. Es ist dies die Folge von der Kürze der Saiten undihrem dichten Anliegen am Körper des Instruments, im Gegensatzzu den freischwingenden Harfen- und langem Guitarresaiten. Auchist das pizzicato der Streichinstrumente nicht so zarter Mässigungfähig, als das Spiel auf Harfe oder Guitarre.

Fassen wir aber diese vielfachen Klangweisen der Streichin-strumente zusammen, so zeigt sich auch hier ungeachtet desMindergünstigen in Einzelheiten eine Vielseitigkeit, mit der dieFähigkeit keines andern Instrumentchors wetteifern kann. Auchabgesehn davon, dass das Streichinstrument im pizzicato sich gleich-sam in ein andres lauten- oder harfenartiges Instrument verwandeltund doch auch wieder eine von den Harfenarten verschiednehärtere und holzartigere Klangweise darbietet, linden wir flötenar-tige, hellere und dumpfere, weiche und rauhere, verschleierte undmetallen klirrende Klänge in mannigfachster Darstellung, die eineganze Reihe karakleristischer Färbungen bieten.

Es kommt noch Eins hinzu: dass nämlich der Klang der Streich-instrumente in seinem Grundwesen, ungeachtet aller Färbungenund Schattirungen die man ihm geben kann, nicht so gesättigt, sobestimmt karakierisirt ist, als der der Bläser. Jedes Blasinstrumentz. B. die Trompete oder Klarinette, ist ungleich beschränkter, istim Vergleich zu Streichinstrumenten einseitig zu nennen. Aberdiese eine Seite ist bei ihm vollausgesprochen, diesen beschränktemBeruf erfüllt es entschieden. Es folgt eben hieraus abermals, dassdas unbestimmtere Streichinstrument sich zu ungleich vielseitigemund vielfältigem Gebrauch hergiebt, also eine ungleich ausgedehn-tere Verwendbarkeit besitzt.

Dies ist aber einer von den Hauptgründen, die Streichinstru-mente erst nach dem Studium der Blasinstrumente im Lehrgangeinzuführen. Das Einfachere und Bestimmtere ist leichter zu fassenund sicherer zu verwenden; das Mannigfachere ist schwerer zu be-wältigen und zieht mannigfaltigere und zusammengesetztere Auf-gaben nach sich.

Bis hierher haben wir die Streichinstrumente im Ganzen- undAllgemeinen betrachtet. Wir gehen nun zu der Keuutniss der ein-zelnen Arten über und haben

') Soll nach dem pizzicato wieder Bogenspiel eintreteu so wird dies mitcoli arco oder kurzweg arco angezeigt.