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ben im Orchester stets mehrfach besetzt*). Allein die Schallstärkeist nicht blos eine geringere, sie ist von andrer Form: sie kannnur durch scharfem Druck und besonders grossem Verbrauch desBogens, dessen Reibung die Saite zum Erschallen bringt, — durchschnellem, reissenden Bogenstrich erlangt werden. Die höchsteStärke kann also nur einen Augenblick dauern ; nachher kann derTon wohl noch verlängert werden, aber nicht in gleicher oder ent-sprechender Stärke. Anders verhält es sich mit der Schallkraft desBlasinstruments; sie kann gleichmässig oder in allmähligem An- undAbschwellen festgehalten werden, soweit die Athemkraft des Blä-sers reicht.
Kurz ausgesprochen: die Kraft des Blasinstruments ist Aus-hallen, die Kraft des Streichinstruments ist Schlag oder Riss;ein Schlag übrigens, der durch das Zusammenfassen von zwei bisvier Sailen vervielfältigte Stärke erhält.
Wenn die Schallkraft des Streichinstruments verhällnissmäs-sig beschränkt ist, so kann es dagegen bis zum leisesten Ge-lispel gemässigt werden, sich bis in das fast Unhörbare oder Un-unterscheidbare verlieren und in dieser Weise das Zarteste, schmel-terlinghaft Flatternde und Schwebende, Durchsichtigste, Schwan-kendste, nebelhaft Hin- und Weggehauchte, das sich der Phantasiedes Tondichters darbieten mag, durch das lauschend gespannte, zwei-felnde Ohr in die Seele und Vorstellung des Hörers bringen.
Jene schnell und kurz treffende Schlagkraft, in rechterWeise und hinlänglicher Besetzung alle andern Organe durchbrechend,— und diese ätherische Feinh eit: beides sind Extreme, die in sol-cher Weise und Ausbildung nur den Streichinstrumenten eigen sind.Nimmt man die äusserste Leichtigkeit der Tonwiederho-lung, der Ton folge, des Staccato und die vollkommenste Bin-dung dazu: so stellt sich schon hier die höchste Ueberlegenheitdes Streichinstruments hinsichts der Vielseitigkeit seines V er-mögens an das Licht. Nehmen wir nun ferner hinzu, dass dieStreichinstrumente an Bauart, Behandlung, Schallkraft und Klang-weise, — kurz nach ihrem ganzen Wesen einander weit verwandterund näherstehend sind, als die Bläser, dass sie sich desswegenenger an einander schliessen und einander ergänzen, dass sie end-lich in ihrer Gesammtheil das ganze Tongebiet von Kontra -E bis
*) Wenn das Orchester zwei Flöten , Oboen, Klarinetten, Fagotte und Hör-ner enthält, müsste jede der beiden Violinstiinmen etwa sechsfach, Bratsche undVioloncell vierfach, der Kontrabass doppelt besetzt werden. Die nähere Erör-terung dieser Verhältnisse gehört nicht hierher; es sollte nur ein Anhaltepunktgegeben werden, nach dem der Jünger sich die Stärke des Streichquartetts imOrchester vorstellen kann.