Druckschrift 
4 (1851)
Entstehung
Seite
34
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Bewegung , allenfalls von mehr gebundner und lockerer Fortschrei-tung wirksam sein kann. Am entschiedensten tritt dieser Gegensatzin einer Pedalstimme gegen eine oder mehr Manualstimmen hervor,da das Pedal nicht blos andre Registratur zulässt, sondern auchseine eigenthiimliche Spielweise hat; daher wird auch das Pedal vonden Meistern als eingreifendste Stimme gern für sparsame dann aberentscheidende Momente, für die Haupt- und Höhenpunkte der Kom-position gespart. Die im Manual geführten Stimmen stehen einander(abgesehn von dem Spiel auf verschiednen Manualen im Orgeltrio undähnlichen Satzweisen) nach Klang und Spielweise gleich, sind alsoum so weniger zu unterscheiden, je mehr ihre Anzahl wächst undje enger sie in Folge dessen liegen. Wenige Stimmen in weiter Lageentsprechen daher dem wahren Sinn der Polyphonie hier besser, alsmehrere; daher man selbst den Hochmeister der Polyphonie, Seb.Bach, in der Mehrzahl seiner Orgelsätze geneigter finden wird,dreistimmig zu schreiben (oder gar auf Zwei - und Einstimmigkeitzurückzugehn) als vielstimmig; selbst in den vier- und mehrstim-mig angelegten Sätzen wendet er gern und für ausgedehnte Partienden minderstimmigen Satz an.

Von diesem Gesichtspunkt aus ergeben sich endlich auch

C. die Kunstformen ,

die der Orgelkomposition am günstigsten sind, von selber. Es sind,mit einem Wort ausgesprochen, die polyphonen, mithin vor allender Gipfel polyphoner Kunst:

1. d i e F u g e.

In der Fuge ist, wie wir längst (Th. II. S. 234) wissen, nichteine Hauptmelodie der Ausdruck einer besondern Persönlichkeit, son-dern eine Schaar von Stimmen, die einander unterstützen undsich zum Ausspruch, zur Durchführung und zum Durchleben einesallen gemeinsamen Hauptgedankens (des Themas) oder Hauptin-halts verbinden. Diese Form ist daher wie geschaffen für die Orgel,in der die einzelne Melodie weder genügender Inhalt sein, noch genü-gend zur Ausprägung kommen könnte, die vielmehr einen überden Kreis der einzelnen Persönlichkeit hinausgehenden Inhalt aus-zusprechen und sowohl dazu als wegen der Unzulänglichkeit ihresmelodischen Ausdrucks mehrerer gleichzeitigen Melodien oder Stim-men zu gegenseitiger Unterstützung und Hebung bedarf.

Ja man muss anerkennen, dass in der Orgelkomposition dieFugenform als solche zu ihrem reinsten Ausdrucke kommt.Denn im Gesang sowohl wie im Orchester oder Quartett werden dieFugenstimmen von beseelten, die Sympathie der fühlenden Brust un-mittelbar treffenden und erregenden Organen zu Gehör gebracht, also