Druckschrift 
4 (1851)
Entstehung
Seite
12
Einzelbild herunterladen
 

12

Schreibung ausführbar und die Anschauung auf mehrern Orgelwerkenist um so unentbehrlicher, da dieselben Register auf versehiednen Werkenbald unter verschiednem Namen, bald mit merklich abweichendem Klangauftreten. Nur einige Hauptmomente müssen erwähnt werden.

Alle Orgelpfeifen (also alle Register oder Stimmen) scheiden sichin zwei Hauptklassen: in Labialpfeifeu oder Flötenund inRohr- oder Zungenpfeifen. In den erstem ist die in der Pfeifeenthaltene Luftsäule der tönende Körper. Der Klang dieser Pfeifenist zwar nach der Struktur in den versehiednen Registern höchstmannigfaltig unterschieden (wie man schon an den Prinzipal-Flöteu-und Violonstimmen bemerken kann, die allesammt Flötenregister sind)kommt aber doch bei allen darin überein, dass er gefüllt und beialler Schallkraft, ja sogar bei einem gewissen Grade von Rauheit oderKörnigkeit (wie man unter andern an den Prinzipalen gewahr wer-den kann) doch nicht hart, sondern eher sanftansprechend, auch etwasdumpf heraustritt. In den Zungenwerken wird der Ton einer inner-halb der Pfeife durch den eiudringenden Luftstrom in Schwingung ge-setzten Zunge (einem nur am einen Ende befestigten Messingstrei-fen , auch Blatt genannt) abgewonnen und die Luftsäule in der Pfeifeist nur mitwirkend, besonders zur Verstärkung des Schalls und zurBildung des Klanges. Auch die Zungenregister (wie man an den hier-her gehörigen Stimmen Oboe, Fagott, Trompete und Posaune be-merken kann) weichen im Karakter bedeutend von einander ab, kom-men aber darin überein, dass sie einen scharfen, einschneidenden,hell hervorlretenden Klang haben. ,,So wie der Ton der Labialpfei-fen das Geheimnissvolle, Würdige und Ernsthafte in sich vereint undüberhaupt das Fundament und die Mauern des Orgeltons bildet, soist der Ton der Rohrwerke gewissermassen der Putz oder Anstrichderselben, er ist aufmunterud und freundlich, er verleiht dem Orgel-ton erst den rechten Glanz, benimmt ihm das Matte oder Düstreund umgiebt ihn so zu sagen mit dem Festkleide der Wonne undFreude* *).

Aus der Reihe der Labialregister heben wir noch diejenigen her-vor, deren Pfeifen oben verschlossen sind, so dass die Schwingungder Luftsäule zurückgeworfen und zum doppelt langen Weg genö-thigt wird**). Sie heissen Gedakte (gedeckte Pfeifen) und habeneinen dumpfern, bedeckten, stillern Klang als die offnen. Eine Mittel-klasse bilden die halbgedeckten Pfeifen, die zwar gedeckt, inderen Deckung aber eine kleinere, nach oben offne Röhre angebrachtist. Flöte, Subbass und die ausdrücklich so genannten Gedakte sind

) Seidel a. a. 0. S. 77.

*) Die nächste Folge ist, dass eine solche Pfeife einen noch einmal so tiefen

(um eine Oktave tiefem) Ton angiebt, als ihre eigentliche Länge gewähren W'ürde.