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1 (1838) Manessische Sammlung aus der Pariser Urschrift, nach G. W. Haßmanns Vergleichung
Entstehung
Seite
XXXVIII
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häufiges Ueberlaufen der Sätze freier sich fortspinnenden Gestaltung, und entsprechender Unbeschränkt-heit des Inhalts bis zur Stegreifdichtung, der streng geschlossenen Strophe und ihrem gemesse-nen Inhalte gegenüber, fast jedesmal auf andere Weise gegliedert erscheint, so haben doch ein-zele Dichter auch hier etwas Festes durch Wiederholung der gleichen Form ausgedrückt; namentlichsind bei Rotenburg ein Minneleich (I) und der Marienleich (VI) ganz gleich gebaut, undein anderer Minneleich (II) weicht nur in einzelen wiederkehrenden Sätzen ab; eben so wiebei Gutenburg ein Minneleich (I) nicht so wohl mehrtheilig ist, als in zwei Leiche zerfällt,von welchen der letzte, bei solchen kleinen Abweichungen, nur noch eigenthümlichen Anfangs - undSchlußsatz hat.

5. Bortrag, Gesag.

Ueber den Gesang und Bortrag all dieser manigfaltkgen Gedichte wird die Ab-handlung bei den noch übrigen Sangweisen das Nähere ergeben. Hier bemerke ich nur nochdie unzertrennliche Verbindung der Sangweise und des Strophenbaus, die ursprünglich durch-gängige Abfassung des Liedes aus und zu dem Gesänge, und die genaue Uebereinstimmung bei-der, welche schon ihre sich entsprechenden Lheile (die Wiederholung des Sanges in den Stollenund in den gleichen Leichsätzen) zeigten, so daß, obgleich bereits manigfaltig verzierter Gesangvorkömmt, doch nieist nur Ein Ton auf Eine Sylbe trifft. Womit sich die oben schon aus demStrophenbau hervorgehende Bemerkung bestätigt, daß Wörter von zwei oder drei kurzen Syl-ben, als Reime immer, und innerhalb der Reimzeilen häufig, nur als ein- oder zweisylbiggelten, so gesprochen, wie auf einem oder zwei Tönen gesungen wurden; und ebenso bestätigensich hier die anderweitigen, schon durch das Zeilenmaaß bedingten Zusammcnziehungenund Verschmelzungen, zumeist der Präpositionen mit den Pronomen und der Präfira; wie dieletzten annoch in der Oberdeutschen Aussprache verschluckt werden. Hält man sich alles diesgegenwärtig, so wird man leicht die häufig scheinbar so überlang auslaufenden Reimzeilen inihrem gehörigen Maaße lesen.

Wenn die Sangweisen sich so den Worten innig anschmiegen, so gehen sie dabei den-noch ihren eigenen Gang, als Gesang, einer andern, zwar verwandten Kunst ungehörig, näm-lich der musikalischen Tonleiter, nicht bloß mit Aufschlag und Niederschlag (Stärke undSchwäche), sondern zugleich mit Höhe und Liefe, so wie mit wirklichem Zeitmaaße.Das letzte ist nämlich nicht nach unserm gegenwärtigen, der Prosodie nähern Takt zu beurthei-len, sondern eben mehr im antiken Sinne mit wechselnden taktlosen Rhythmen *), wie noch inunserm Choral, welcher der antiken Musik zunächst verwandt ist, und in dessen alten Tonartensich die Sangweisen der Minne- und Meistersinger bewegen. Die Nachbildung der Kirchen-

*) Wagenseil hat daher bei dem langen Ton Regenbogens unstatthafte Taktstriche gesetzt, welcheden rhythmischen Auf- und Niederschlag zerstören.