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und häufig wirklich eintreten. Dagegen gelten zweisylbige Wörter mit kurzem Selblaut undeinfachem Mitlaut nur gleich einsylbigen Wörtern aller Art (auf welche sie auch wohl reimenmich: sich — lihe), oder gleich jener ersten langen Sylbe des zweisilbigen Wortes. Esgelten also auch hier noch zwei kurze Sylben gleich einer langen; und dem gemäß wird einsolches Wort von zwei Kürzen erst dem zweisilbigen mit langer Stammsilbe gleich, wenn esnoch um eine dritte Sylbe wächst. Die Nachwirkung hievon zeigt sich noch in der damalsschon gleichgültigen Schreibung und Aussprache tagte und tagete, lebte und leüete;welche in der Oberdeutschen Aussprache, wie auch in der Schreibung der meist OberdeutschenMeistersänger und anderer Dichter, ja schon der Minnesinger, auch auf zweisylbige Wörter sicherstreckt, kagn und tagen, lebn und leben, zugleich mit der alten Stammkürze.
Dieses Maaß bildet nun zwar nicht mehr die Füße und Bewegung der Reim-zeilen: aber es gilt für beides noch wenigstens in sofern, als die kurzsylbigen Wörter auchhier so gemessen werden können, und häufiger so gemessen werden, als sie, nach der danebenbestehenden Freiheit, mit ihrer vollen Sylbenzahl die Versfüße bilden.
Die einstige Volltönigkeit und Länge der Ableitungen und Endungen neben Kürze desStammes (z. B. manag! Menge; manon, manüt mahnen, mahnet) entsprach noch näherdem alten Maaße, welches, unbekümmert um die Bedeutung, eben nur die Länge und Kürzebeachtet. Der Reim, an sich ein Zusammenklang gleicher Laute, und als reinmusikalisch, ebenfalls ohne nothwendige Rücksicht auf die Bedeutung, (wie er es im Lateinischenund noch in den Romanischen Sprachen ist), erscheint in jenem Althochdeutsch mit den volltö-nigen und oft auch mehrsylbigen Biegungen, auf ähnliche Weise; ja, wie die Sprache der-gleichen volle Töne in Volksmundarten lange bewahrte, und in manchen Hochthälern, nichtminder im Kanzleistyl, noch bewahrt (Dero, Ih ro, anhero), so haben nicht allein die volks-mäßigen Heldenlieder aus alter Ueberlieferung, und die älteren in deren Weise singenden Dichter,sondern auch andere Minnesinger noch solche Reime (z. B. Reimar der alte und Nithart verdnm-delüt: r«t, geringrlot: nüt; Reimar von Zweter pkcrit: git). Sie reimen sogar nochauf Endungen, welche schon die alten Volllaute ganz verloren haben (Spervogel grätu«: al-drar«; Kürenberg wann«: Künde; kleine: scheiden; h«med«: edcle; wie Nibel. sa-gen«: leüene). In diesem Falle wird gewöhnlich der klanglose Endreim verstärkt durch Kei-mung des ganzen Wortes (lagen«: Klagen«): aber hiemit dringt zugleich der Reim, zumalbei zweisylbigen Wörtern (Nithart gnot«: mnot«, wie in Nibel., Noten: gnotvn; NifenKund«: gnnd«: bünd«), in seiner völligen Urkraft heraus, als Zusammenklang in derWurzel, wodurch der ganze Stamm mit erklingt.
Diese tiefe, zwar später entwickelte, jedoch ursprüngliche Bedeutsamkeit des Reims,welche, als Stimme der Dichtkunst, überall die liebende Antwort (der Echo), den Abklang derSehnsucht sucht und findet (vgl. Wizlav Bd. III, 85.), und für die Wissenschaft die wahre