XXV
ändert abgedruckt, und zeugen auch hierin zugleich für ihre Zeit. Bei älteren, den Minnesingerngleichzeitigen Gedichten geschieht ebendaselbst solcher buchstäblicher Abdruck nur dann, wenn esauf urkundliches Zeugnis ankömmt, zumal wenn auch nur einzige Handschriften vorliegen: sonstsind die angeführten Stellen solcher Gedichte, aus Handschriften oder Drucken, auf dieselbeWeise behandelt, wie die Minnelieder selbst (meist überdies noch mit Längenbezeichnung), unddabei auch ihre Lesarten berücksichtigt.
4. Reim, (Maas), Reimzeile, Lied und Leich.
Die andere durchgreifende Grundlage dieser Herstellung der Minnelieder in ihrer echtenGestalt ist, nächst der Sprache, und in inniger Verbindung damit, eben ihre äußere Gestaltund Bildung, als Rcimgedichte, in Liedern, d. h. eigentlich in gleichmäßig wiederkehren-den Stanzen oder Strophen. Diese Strophen sehen wir hier, von den einfachsten epischenStanzen, bis zu den höchst kunstreich gegliederten Reimgebäuden von beinahe einem SchockReime aufsteigen, am auffallendsten gerade bei dem in Hinsicht des Inhalts so volksmäßigen,ja noch tiefere Töne anschlagenden alten Nithart: ohne Zweifel, aus demselben richtigen Ge-fühle, welches die antike Komödie den tragischen Kothurn durch Künstlichkeit der Form nichtbloß parodieren, sondern wahrhaft überbieten ließ; nämlich, weil solch ein schrankenloser Ueber-muth nur durch kunstreiche Gestaltung gehalten und erträglich wird, und zugleich durch diesenWiderspruch zwischen Form und Inhalt ergötzlich wirkt.
Zum Verständnisse der in Betreff dieser Form, welche für das lyrische Gedicht so un-terscheidend und entscheidend ist, hier angewandten Grundsätze ist eine nähere Entwickelung der-selben nöthig.
Daß die Deutschen Gedichte und Gesänge (beides ist ursprünglich ungetrcnnt) einst auchgemessen wurden, wie die antiken (und noch die Ungarischen) Gedichte, verrathen selbst nochdie Reime, welche sonst gerade das alte Maaß, nach der Zeitdauer der Aussprache, verdun-kelt haben; denn bei den Minnesingern gilt noch entschieden, daß nur diejenigen zweisylbig ge-schriebenen Reime als wirklich zweisylbige, oder weibliche (bei den Meistersängern, klin-gende) Reime gelten, welche die erste Sylbe lang machen, durch Verdoppelung des Selb-lautes (sei es Wiederholung, also Verschmelzung, i —n; oder eigentlicher Doppellaut, ie),oder durch gleiche Verdoppelung des Mitlautes*), oder durch beides zugleich. Solche Wörtergelten ebenfalls nur als weibliche Einschnitte, für welche auch Reime eintreten können
*) Als solche gilt auch die Verbindung des Hauches (Aspiration) mit einem andern Laute, rh—Kg;und die Verbindung der flüssigen Buchstaben (Liquiden) mit den stummen macht so wenig Unterschied(Schwanken), als die Verbindung zweier Sclblaute. Die Wiederholung desselben Mitlautes (Gemina-tion) muß damals hörbarer gewesen sein, als jetzo, und etwa so, wie noch im Italienischen, zumal beiden Liquiden (petto, mumme).
d