Druckschrift 
1 (1838) Manessische Sammlung aus der Pariser Urschrift, nach G. W. Haßmanns Vergleichung
Entstehung
Seite
XXI
Einzelbild herunterladen
 

Aus derselben Sammlung hatte ich auch eine reiche und in ihrer Art einzige Samm-lung alter fliegender Blätter und anderer alter Drucke einzeler Lieder, welche nicht bloß,wie mehrere Meistergesänge, durch die Tonarten und Weisen der alten Meister, worin sie ge-dichtet sind, sondern selbst noch durch nähere Beziehung auf den Minnegesang von Wichtigkeitsind. Manches dieser Art ist selbst in die gedruckten alten musikalischen Liede rsamm-lungen übergegangen, deren Reihe in der hiesigen Königlichen Bibliothek durch die vonNaglersche Erwerbung ebenfalls ansehnlich verstärkt worden ist. Mehrerer Mittheilungensolcher Gattung erfreue ich mich auch aus dem Bücherschatze des Herrn Geheimraths vonMeusebach.

H Gegenwärtige Ausgabe.

Von allen diesen Quellen und Hülfsmitteln ist hier nun folgender Gebrauch gemacht

worden:

1. Aeußere Einrichtung.

Zuvörderst kam es darauf an, die Manessische Sammlung, demnächst auch dieJenaer, in ihrer Ganzheit durch eine neue Ausgabe herzustellen, nachdem die erstenund einzigen Abdrücke von Bodmer und Müller schon lange zu Seltenheiten geworden waren.Außer der nöthigen Ergänzung und Berichtigung dieser Abdrücke, wurde also, der Handschriftgemäß, die Folge der Dichter hergestellt; ihre Lieder, Leiche und anderen Gedichte wurden voneinander gesondert; die fast durchgängige Dreitheiligkeit der Strophen (ebenfalls handschriftlicherBezeichnung, wie der Sangweise, gemäß) durch große Anfangsbuchstaben bezeichnet, und dieZeilen nach den (in der Handschrift punktirten) Reimen abgesetzt, wo diese nicht, als einzeleReimwörter oder auch mit einem Auftakte, bloß Jnreime und Anreime sind, oder nur den regel-mäßigen (in der Handschrift ebenfalls punktirten) Einschnitt zuweilen verstärken: in welchenFällen nur ein etwas größerer Zwischenraum gelassen ist. Die Zweitheiligkeit der Leichsätzeist auch (den Handschriften gemäß) durch große Anfangsbuchstaben bezeichnet, und die gleich-artigen sich folgenden Leichsätze sind durch näheres Zusammenrücken bemerklich gemacht. Diegrößeren, nicht eigentliche Lieder bildenden Reihen gleicher Strophen oder Eines Tones, die hieund da, durch Nachträge, oder sonst zerstreut stehen (z. B. bei Walther), sind zusammen-gestellt, ingleichen, die manchmal innerhalb solcher Reihen durch den Inhalt zusammengehörigenStrophen. Weil das letzte, und durchgängig eine dem Inhalt angemessene Folge sich z. B.in der Heidelberger Hauptsammlung von Reimars Strophen im Ehrenton schon vorfand,so ist diese bessere Folge, gleich wie die dargebotene Bereicherung, in die Manessische Sammlungausgenommen. Ueberhaupt habe ich die an mehreren Stellen derselben Handschrift wiederholten