G07
Von dom andern Kanon (der Duodezirae) führen wir nur diesinnreiche Umgestaltung des Themas an,
<1^.-^ f d
_L S
655
~t—i—
» «
«»
cis
B-i lluj 7
d
f gis
f e
r* »Ti - • .—7-
(i
und überlassen Jedem, den Kontrapunkt und die Konstruktion desGanzen nach Anleitung von S. 599 zu untersuchen. Denn aller-dings können wir diesen Arbeiten keinen hohem künstlerischenWerth beimessen und ihnen keine grössere Wichtigkeit im Bildungs-gang des Musikers beimessen, als den eines (durch mancherlei fürdie Idee der Kunst weder nothwendige noch für ihr Körper-liches fruchtbare Bedingungen) erschwerten Versuchs der kombini-renden Verstandeskraft. Jeder mag ihn in einer freien Stunde an-stelleu, wenn es ihm behagt. Solchen Arbeiten aber nachzuhängenund grosse Zeitopfer zu bringen, würden wir dem Jünger durchausWiderrathen.
Dies wird noch mehr von dem ersten der Bach’schen Kanons(S. 54) gelten. Es ist ein Kanon in der Verkehrung und Vergrös-serung, nach alter Benennung canon per augmentationem in motucontrario. Der Diskant giebt das Thema,
da f deisde fefe
5
1 ?
655
3543^
m
1
der Bass setzt es im folgenden Takt verkehrt und vergrössert ein,
JL )
655 \
fi
£
BL
-p>=
und ahmt in dieser Weise vierundzwanzig Takte des Diskants —der Vergrösserung wegen in achlundvierzig Takten — nach. Vonda beginnt er (im dreiundfunfzigsten Takt der Komposition) denGesang des Diskants, wie in No. -g-f-g-, in der tiefem Oktave, derDiskant folgt vier Takte später (im siebenundfunfzigsleu) mit derVerkehrung und Vergrösserung, wie in No. begonnen ist, undso wird der ganze Kanon in der Umkehrung wiederholt. — Mauhat in ihm Bach’s eminente Gewandtbeit und Pertinazität zu be-wundern. Wir halten jedoch nicht einmal für nöthig, das Verfahrenfür solche — mehr Kunststücke als Kunstformen anzugeben; manfindet, wenn man seine Zeit damit verderben will, in Marpurg’sFugenkunst und Aellern Auskunft.