Druckschrift 
2 (1847)
Entstehung
Seite
595
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sichl freien Lauf zu lassen, als der Idee einer Fuge und seinemerkornen Thema die reichste Entwickelung und Folge zu geben.Von den kombinirlern Gestaltungen der Vekehrung u. s. w. istnicht die Rede; nur etwa eine interessante Engführung (z. 13, inNo. 3) wird, wenn auch mit unvollständigem Thema, benutzt.

Demungeachtet mögen diese Kompositionen den Anlheil der Fu-genfreunde sich gewinnen, und geben in eigner Weise den Karakterihres Verfassers zu erkennen. Dies möchten wir zunächst von derFmoll-Fuge (No. 1) annehmen. Schon das ist nicht ohne Keck-heit des Rhythmus geschehen, dass die Antwort und wiederum derEintritt der dritten Stimme auf den je fünften Takt fallen. Nunaber ist die Entspinnung des Fugensatzes dem Händelschen Unge-stüm nicht entscheidend genug; der Bass als vierte Stimme trittschon mächtig in vollgriffigen Akkorden hervor, und so wird nochöfter eine Massenwirknng erlangt durch Zusalzstimmen neben denfugirenden Hauptstimmen. Der Effekt ist so sicher treffend, dasser Manchen für die Fugenform gewinnen könnte, dem sie ihre Kraftin stetigem, vielleicht reichern Werken nicht so leicht erschlösse.Noch gehaltvoller und von einer mehr geistigen Energie würde denFreunden No. 3 (das Thema haben wir No. 370 gesehn) erschei-nen. Aber unnachahmlich schön muss jedem Fühlenden die sechsteFuge zusprechen; es ist eine der eigeuthümlichsten Tondichtungen,die in, irgend einer Form und von irgend einem Meister geschaffenworden sind. Wenn irgend ein Werk, so kann diese Fuge jedenEmpfänglichen überzeugen, wie ungegründet es ist, der Fuge nureinseitige Fähigkeit, etwa zum Ausdruck des Ernsthaften, Feier-lichen, Starken (S. 298) beizumessen. Denn hier athmet. jeder Taktdie innigste zarteste Schwärmerei, von geheimer Melancholie nureben überhaucht; jede Stimme ist hier rührender, redender,' unmit-telbar in das Herz dringender Gesang, so schön und überzeugendihn nur der beste Sänger sich wüuschen könnte; kaum vermag mannach oft erneuter Bekanntschaft neben dem köstlichen Inhalte nochder fleissigen Arbeit und der Form überhaupt zu gedenken.

Man möchte bei der Vertiefung in das unsterbliche Werk sa-gen, dass Händel seine Seele dieser Form eingegossen hat, dasssie hier Alles ihm verdankt, er sie nur eben für sich recht gefun-den und willensfrei erwählt hat; während in Bachs glücklichstenArbeiten die Form dem Komponisten von einer gewissen innernNothwendigkeit zugewiesen, dann aber dem treu sich ihr Anver-trauenden mit all ihrer Macht zu Hülfe tritt und mit ihrem Vermö-gen zugleich das seine verdoppelt.

Von diesen grossen Vorfahren über Joseph Haydn undMozart und so manchen Gcschiednen oder noch Lebeuden hinwegwenden wir zuletzt noch einen flüchtigen Blick auf

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