Druckschrift 
2 (1847)
Entstehung
Seite
497
Einzelbild herunterladen
 

497

dies würde eine Doppelfuge ergeben. Aber von den beiden letztenSätzen gilt durchaus, was von allen dreien gesagt ist: sie lassensich ebenfalls nicht wohl in ein Thema zwingen, weil sie zwardenselben Grundgedanken, aber in zwei verschiednen durchaus aus-einander zu haltenden Vorstellungen aussprechen. So ist denn klar,dass wir zu den drei Sätzen drei Subjekte nöthig haben, und sowären wir durch den Text auf eine dreifache Fuge (Tripelfuge)geführt.

Denkbar, möglich wäre auch die Nothw r endigkeit einer vier-fachen (Quadrupel-) Fuge. Allein wir wüssten keinen Fall dafüranzuführen, und es ist einleuchtend, dass mit jedem Thema mehrdie Schwierigkeit wachsen muss, so vielen Subjekten genugzutbun.Febrigens würden vier- und mehrfache Fugen nach denselben Ge-setzen zu behandeln sein, wie dreifache; wir dürfen sie also über-gehn und uns auf die dreifache beschränken.

Von der dreifachen, wie ,von allen mehrfachen Fugen gilt zu-vörderst, was wir schon bei der Doppelfuge bemerkt haben: es istgut, wenigstens eine Stimme mehr zu haben, als die-Zahl derSubjekte beträgt (also zu der dreifachen Fuge wenigstens vierStimmen), damit man jederzeit eine freie Stimme zu Gegensätzenoder zum frischen Eintritt eines Themas bereit finde.

Ferner ist vorauszuerinnern, dass alle bei der einfachen undDoppelfuge erkannten Gesetze (über Bildung der Themate, Beant-wortung, Durchführung u. s. w.) auch auf drei- und mehrfacheFugen ihre volle Anwendung finden. Es bleibt daher nur noch zuuntersuchen, wie die drei verschiednen Themate in einem unge-trennlen Fugensatze zusammen zu bringen seien. Im Allgemeinenist dabei zu sagen , dass die Themate zwar auch einzeln durchge-führt werden können (wie die beiden Subjekte einer Doppelfuge),dass sie aber irgend einmal auch alle drei in einem einzigen Satz,oder wenigstens jedes mit jedem der andern beiden (das erste mitdem zweiten und dritten, das zweite mit dem dritten) Zusammen-treffen sollten, denn sonst hätte man keine dreifache Fuge, son-dern drei oder zwei verscliiedne in einem Tonslück aneinander ge-hängte Fugensätze, eine dem durchfugirten Choral oder der (beider Vokalkomposilion zu besprechenden) Motette gleiche Form.

Es bieten sich demnach für unsre Aufgabe folgende Formen dar.

Erstens können alle drei Themate gleichzeitig eingeführt unddurchgeführt werden, die erste Durchführung kann z. B. diese Ge-stalt annehmen:

Diskant.

1 s.

3.

2.

Alt:

2 S.

1 .

3.

Tenor:

3 S.

2.

1 .

Bass:

Marv, Komp. L. II. 3. Auf!.

0

3.

2.

1 .

32