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Dass eine solche Arbeit sehr unfrei, dass manche Choralme-lodie gar nicht, und nur sehr wenige gut dafür geeignet sind, istleicht zu erkennen. Geduld, Uebung und Umsicht führen jedochauch hier zum Ziele. —
Es ist nun ferner klar, dass man ebensowohl wie Doppelka-nons auch drei- und mehrfache Kanons setzen kann, in denen näm-lich drei und mehr verschiedne Melodien gleichzeitig durchgelührtwerden. Aber eines Theils würden auch dergleichen Arbeiten nachder bekannten Weise abzufassen, mithin keiner neuen Lehre be-dürftig sein: andern Theils ist in der That kaum für den Doppel-kanon, geschweige für mehrfache Kanons eine künstlerische Noth-wendigkeit abzusehen. Das Wesen des Kanons ist die Einmü-thigkeit, mit der alle Stimmen der vorangehenden folgen. Je-mehr Melodien wir nun in der kanonischen Form (in Doppel-, drei-fachen Kanons u. s. w.) zusammendrängen, desto mehr entfremdenwir uns dem Wesen der Form. Und dabei gewinnen wir nichtsBesseres; denn zur Durchführung zweier oder mehrerer Sätze miteinander ist die Fugenform bei weitem geeigneter, zu der wir nunauch bald zurückkehren. Man mag sich also gelegentlich an Dop-pelkanons versuchen, nicht aber zu viel Zeit und Eeberschälzungihnen zuwenden.
Vierter Abschnitt.
Der Zirkelkanon.
Zuletzt ist noch einer besondern Form des Kanons zu erwäh-nen , die zwar in den meisten Fällen nur als ein Spielwerk derKomponisten vorgefunden wird , doch aber auch schon ernsten undtiefsinnigen Zwecken gedient hat. Dies ist der Zirkelkanon.
Da nämlich der Kanon, wie wir ihn nun überall kennen ge-lernt haben, in allen Stimmen Ton für Ton denselben Satz enthält,so muss dieser auch im Hauplton schliessen, weil sonst der Schlussdes Ganzen ausserhalb desselben fiele, — oder wir kümmerlichdurch einen freien Anhang zurücklenken müssten. So sind auchalle bisher betrachteten Sätze eingerichtet gewesen.
Nun aber können wir auch das Gegenlheil versuchen. Wirschliessen den ersten Abschnitt eines Kanons nicht im Hauptton,sondern in einer fremden Tonart. Hier tritt die zweite Stimmemit d,em ersten Abschnitt ein, muss also — da sie pünktlich nach-ahmt — wieder in einem neuen Ton schliessen. So führt uns denn