Druckschrift 
2 (1847)
Entstehung
Seite
456
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die erste Stimme giebt es zu der Harmonie des ersten Tones (c e g ),die andre muss es zur Harmonie des zweiten Tones (/$ d g)wiederholen. Ginge das Letztere nicht an, passte das Motiv c nichtzu der zweiten Harmonie, so dürfte es auch nicht zu der erstengenommen werden. So muss denn auch das folgende Motiv d nichtblos zu der Harmonie von h ( h d g), sondern auch zu der fol-genden (fl e fis) anwendbar sein, und so fort bis zu Ende. DieLösung der Aufgabe beruhte also auf der Wahl solcher Motive, diezu je zwei Tönen oder Momenten des Cantus firmus passen, umzu dem ersten von der einen, zum zweiten von der andern Stimmeangewendet werden zu können. Das Uebrige folgt aus den allge-meinen Regeln über den Kanon.

Hier haben wir nun einen Cantus firmus mit einem Kanon be-gleitet. Das Umgekehrte ist, was wir als letzte Form in diesemAbschnitte zu betrachten haben:

3. der kanonische Cantus firmus.

Die Choralmelodie selber wird Strophe für Strophe von einerzweiten Stimme kanonisch nachgesungen und dieser Kanon mit eineroder mehrern Stimmen in freier Figurirung begleitet. Hier ist alsonicht die Verfertigung des Kanons, sondern nur die Auffindung derMöglichkeit, eine Choralmelodie kanonisch nachzuahmen, Aufgabedes Tonsetzers.

Wollte man nun eine bestimmte Art kanonischer Nachahmung,z. B. den Kanon in der Oberquarte , und zugleich einen bestimm-ten Eintrittspunkt, z. B. jedesmal auf der dritten Note, den gan-zen Choral hindurch festhalten: so würden sich nur sehr wenigeChoräle zu einer solchen Lösung geeignet zeigen. Man gestattetsich daher meist, jede einzelne Strophe des Chorals als einen Ka-non für sich zu behandeln, und in der folgenden Strophe nöthigen-falls eine andre Art des Kanons oder einen andern Eintritt zu wäh-len. So erscheint denn der Cantus firmus als eine Reihe von Ka-nons, die durch die begleitenden Stimmen zu einem Ganzen ver-bunden werden.

Versuchen wir an dem zuletzt betrachteten Choral, ob undwie er sich kanonisch behandeln lässt. Die erste Strophe

lässt zweierlei kanonische Eintritte auf dem fünften Tone zu , in derUnterquinte (Oherquarte) und Untersekunde oder Unternoue, oderwas dasselbe in der Umkehrung ist in der Oberseptime;