Druckschrift 
2 (1847)
Entstehung
Seite
436
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Da Oktaven zum Einklang werden, so sind Vorhalte, die sichin die Oktave auflösen, wie bei a,

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oder auch melodische Figurirungen der Oktave, wie bei c, unstatt-haft. Denn der Vorhalt würde in der Umkehrung (b) zu einemwidrigen Vorhalte des Einklangs werden, die Figurirung aber würdeHaupt- und Hülfstöne (wie bei d) auf verwirrende Weise durch-und nebeneinander werfen.

Aehnliche Bemerkungen z. B. an den chromatischen Tönenlassen sich so leicht machen, dass ihre Aufzählung überflüssigscheint. Es kann sogleich zu Uebungen und Anwendungen ge-schritten werden.

Die Uebungen bestehen nun darin, zwei nach dem doppel-ten Kontrapunkt der Oktave umkehrungsfähige Sätze zu gestalten.Dies kann entweder so geschehen, dass beide Sätze gleichzeitig miteinander erfunden werden (so der in No. 606 mitgetheilte Doppel-salz) oder dass erst ein Satz festgestellt und dann der andre nachden Gesetzen des Kontrapunkts dazu gebildet wird; so haben wirin der vorigen Ablheilung die Gegensätze zu den Fugenthematenerfunden. Die erstere Weise ist im Allgemeinen die förderndsleund kunstmässigere, denn sie lässt beide Stimmen sogleich in ihrerEinheit, in Widerspruch, und Wechselwirkung hervortreten, um-fasst also alles Wesentliche der Sache. So begann die Erfindungdes Satzes No. 606 mit der Feststellung der beiden ersten Achtelder Oberstimme; mehr hatte man zum Anfänge nicht. Nun schienes an der Zeit, die zweite Stimme eintreten zu lassen, und dawar der näcbstliegende Ton g, der Grundton zu h. Sollte aberder Eintritt der neuen Stimme rein hervortreten, so musste dieerste nicht durch etwas Neues stören; sie musste ihren Ton fest-halten, entweder wirklich, oder durch eine Pause verlängern.Dies und der gleichsam verspätete Eintritt reizte dann wieder diezweite Stimme zum Gegensatz, nämlich zu lebhafterer Bewegung;und so bedingten die beiden Stimmen gegenseitig ihren Karakter,trieben sich gegenseitig weiter bis zum Ende.

Doch auch die andre Uebung darf nicht versäumt werden; mankann sie ah Choralmelodien versuchen, gegen die eine umkehrungs-fähige Stimme, vorzugsweis (S. 233) der Kontrapunkt ge-nannt gesetzt wird. Wir geben einstweilen ein flüchtiges Bei-spiel zu der ersten Strophe des Chorals: Vom Himmel hoch, dakomm ich her.