Druckschrift 
2 (1847)
Entstehung
Seite
419
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dieselben rhythmischen Abschnitte, oder von der Unterordnung allerStimmen unter den Willen und Zweck einer Hauptstimme abhing,sondern von dem verwandten und auf ein gemeinsames Ziel Allergerichteten Inhalt jeder einzelnen Stimme. Eben diese, sich inder Form der Nachahmung äussernde Verwandtschaft des Inhaltsaller Stimmen war das Wesentliche dieser Formen.

Nun aber sollte nicht mehr die Gemeinsamkeit, sondern derInhalt selbst, ein bestimmter zu einem Thema konzenlrirter alleStimmen durchdringender Gedanke, und die wetteifernde Tbeilnahmealler an diesem konkreten Gedanken die Hauptsache werden; undes entstand die Fuge mit ihren Unterarten, dem Fugato und derFughette.

Die Fuge konnte vor Allem als polyphoner oder figuralerSatz aufgefasst werden: daher war es möglich, ihr figuraleBegleilungsstimmen neben den Fugenstimmen zu geben undsie auf die Liedform, den Ursprung der Figuration, zurückzuführen.

Sodann konnte sie gelten als eine Ausgeburt oder höhere Voll-endung jener Figuration gegen einen Cantus firrnus, die sich auseinem bestimmten Motiv berausgestaltete, wie die Fuge aus einembestimmten Thema. Daher trat die Fuge zum Choral.

Nun aber war derselbe Cantus firmus wieder eingetreten undsogleich als ein Wesentliches anerkannt worden, aus dem und ausdessen Begleitungsstimmen die Figuration, folglich; im Grunde, die Fuge selbst hervorgegangen war. Mit dieser Erinnerunggelangten wir zum fugirten Choral.

Zuletzt mussten wir im festen Basse beobachten, wie einemächtige Stimme sich des Fugenthemas mit Ausschliessung der an-dern zu bemächtigen trachtet, und diese mit zweifelhaftem Erfolgedagegen ankämpflen. Oder will man lieber: wie ein Cantus firmusin einer sich fast ausschliesslich behauptenden Stimme eine Figurationnach der andern zu einem weiterstreckten mannigfachen Ganzenhervorruft und sie alle überdauert, oder mit ihnen sich zur Fugi-rung seines Grundinhalts erhebt oder in einen andern Satz ergiesset.

Was aus einem einzigen Motiv, mit einem einzigen Thema inhomophoner und polyphoner Weise zu beginnen, ist hierin fastvollständig enthalten; erst das sechste Buch (im dritten Theile)wird einen wichtigen, aus methodischen Gründen versparten Nach-trag bringen.

Nun erst dürfen wir uns des vollen Besitzes unsrer musika-lischen Gedanken erfreuen, da wir sie nach allen in ihnen liegen-den Möglichkeiten gestalten können. Diese Vorstellung, wenn sieeine wahrhafte und durch die That das heisst durch Thatenbewährte ist, gewährt die Rüstigkeit, Sicherheit und Freudigkeit,

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