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dass auf diese Fragen keine äuss erliche und ab-solut geltende Antwort gegeben werden kann.
Aus welchem Grunde dürfte man bestimmen, eine Fuge solleso und soviel Durchführungen haben? — müsse durchaus so undnicht anders geordnet werden? — Der erste Blick auf eine Reihevon Fugen würde jede Regel, die man so aufstellen wollte, Lügenstrafen; denn es würde sich — wenigstens bei den Arbeiten derMeister — eine Abweichung über die andre zeigen, man würdelange und kurze, Fugen nfit zwei oder drei und andre mit sechsoder acht Durchführungen finden.
Demungeachtet kann das ßedürfniss einer nähern Leitung ver-nunftgemäss befriedigt werden.
Es finden sich nämlich in der Mehrzahl der Fugen gewisseHauptmomente, — gleichsam Gränz - oder Zielpunkte, —die das Ganze unbeschadet seines ununterbrochnen Verlaufes in ge-wisse Hauptpartien theilen. Hat man nun diese Zielpunktewohl gefasst, so ist man mit seinem Entwürfe nicht mehr ganz imUnbestimmten; man geht von einem dieser Zielpunkte zum andernund ist wenigstens im Grossen der Ungewissheit und Verirrungenüberhoben *). Mehr aber kann der Jünger weder fodern noch wün-schen; denn eine ihn nie verlassende Leitung würde ihm ja diekünstlerische Freiheit rauben.
So bildet sich nun
eine ideale Grundform der Fuge,die möglicher Weise in keiner einzigen der bisher komponirten Fu-gen ganz vollständig realisirt ist, deren innerliche Mitwirkung sichaber in der Mehrzahl der Meisterwerke uusrer Form erkennen lässtund die auf einem Vernunftgrunde ruht, nämlich auf den schon be-kannten Modulationsgrundsätzen, angewendet auf die besondre Formder Fuge.
Von dieser Grundform gehen wir hier aus und rathen ausreicher Erfahrung von ihrem wohlthätigen Einflüsse dem Lernenden,längere Zeit an ihr festzuhalten, bis sie ihm in ihren wesentlichenZügen geläufig geworden ist. Dann erst gehe er zu den wichti-gem Abweichungen im sechsten Abschnitt über, bis er zuletzt mitgereiftem Formsinn sich ganz frei gehen lassen möge. Das Letzteredarf aber ja nicht übereilt werden; man muss sich erst ganz sicher-gestellt haben, ehe man die volle Freiheit ohne Gefahr der Verir-rung und Verwirrung besitzen kann.
Jeder Modulatiousplan hat drei Momente. Zuerst stellt
') In gleicher Weise war uns bei der Behandlung des Chorals im erstenund zweiten Theile des Lehrbuchs die Zergliederung desselben in kurze Stro-phen hiilfreich.